1863 hallten die ersten Klänge von Richard Wagner durch das Gran Teatre del Liceu. Doch bis zur ersten Oper des Komponisten musste sich das Publikum in Barcelona noch weitere zwanzig Jahre gedulden. Im März 1883 wurde schließlich mit „Lohengrin“ am Liceu die erste Wagner-Oper in ganz Spanien aufgeführt. Es war zugleich der Beginn einer engen Freundschaft mit den Wagner-Festspielen in Bayreuth.

Und noch eine Premiere gab es in der katalanischen Hauptstadt: „Barcelona war die erste Stadt, die außerhalb Bayreuths den ,Parsifal‘ aufgeführt hat, denn das war bis 1914 ausschließlich auf dem Grünen Hügel gestattet“, erzählt Víctor García de Gomar, der seit dieser Saison neuer Künstlerischer Leiter des Opernhauses ist. „Am 31. Dezember 1913 um Punkt Mitternacht begann die Aufführung. Zwar gab es noch andere Orte, die diese Gelegenheit nutzten, doch wegen der Zeitverschiebung war Barcelona eine Stunde früher als alle anderen.“

„Wir wollen die musikalische Vielfalt in unserer Stadt mit so vielen Menschen wie möglich teilen“

© Viajero/Wikimedia Commons

Außenansicht des Gran Teatre del Liceu

Außenansicht des Gran Teatre del Liceu

Für García de Gomar ist das Liceu ein magischer Ort mit großer Tradition. „Es war die Bühne von Caruso, Callas, Caballé und noch vielen weiteren Stars und jeder hier in Barcelona sowie der Umgebung hat seine ganz eigene Beziehung zu diesem bemerkenswerten Haus.“ Das zieht auch Touristen aus aller Welt an – acht Millionen jährlich.

Das neue Barcelona Obertura Spring Festival bedeutet für García de Gomar eine großartige Möglichkeit der Welt zu sagen, dass sich jetzt vor allem für Musikliebhaber ein Besuch mehr denn je lohnt. „Wir wollen die musikalische Vielfalt in unserer Stadt mit so vielen Menschen wie möglich teilen und den Besuchern zeigen, dass sie sich richtig entschieden haben, hierher zu kommen“, erklärt der Manager und Opernliebhaber. „Es ist eine der magischsten Kunstformen, die der Mensch je erschaffen hat. Ein wahres Wunder!“ Und genau darin sehe er seine Aufgabe: Das Publikum wieder an dieses Wunder heranzuführen und ihm die ganze Pracht einer Opernaufführung zu offenbaren.

„Die Aufführung hat mich zu Tränen gerührt“

© Antoni Bofill

Innenansicht des Gran Teatre del Liceu

Innenansicht des Gran Teatre del Liceu

„Ich erinnere mich noch sehr gut an den ,Ring‘ von Harry Kupfer am Liceu. Es war so unglaublich stark und hat mich nachhaltig beeindruckt“, berichtet García de Gomar. „Letztes Jahr war ich zum ersten Mal in Bayreuth. Katharina Wagner hat mich eingeladen und ich saß während des ,Parsifal‘ sogar bei ihrer Familie – was für eine große Ehre. Die Aufführung hat mich zu Tränen gerührt.“

Deswegen freue er sich auch schon besonders auf die „Lohengrin“-Inszenierung im Rahmen des Barcelona Obertura Spring Festival. „Es verbindet uns mit der Vergangenheit und der Tradition. Die Urenkelin von Richard Wagner hier an unserem Haus zu haben, ist ein absoluter Glücksfall. Und dann auch noch mit der ersten Wagner-Oper, die hier am Liceu gespielt wurde“, schwärmt García de Gomar. „Ein wahrer Traum!“

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