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Blickwinkel: Pavel Gililov über die Telekom Beethoven Competition

„Man braucht Bildung, nicht nur Begabung“

Die Telekom Beethoven Competition erweitert in diesem Jahr ihr Wettbewerbsrepertoire. Pavel Gililov, Künstlerischer Leiter und Jurypräsident, über eine überfällige Neuerung, notwendiges Werkverständnis und einen neuen Sonderpreis.

vonJohann Buddecke,

Was erwartet die Zuschauer bei der diesjährigen Ausgabe der Telekom Beethoven Competition?

Pavel Gililov: Ein internationales Feld hochbegabter junger Pianistinnen und Pianisten. 130 Anmeldungen aus 27 Ländern. Das spricht für sich. Das Niveau war erstaunlich hoch. Jetzt, kurz vor dem Start, steigt die Spannung. Ich bin überzeugt, dass wir erneut außergewöhnliche Musiker erleben werden, die den Wettbewerb würdig repräsentieren und den Namen Beethoven mit Leben füllen.

Einige der Teilnehmer sind bereits sehr wettbewerbserfahren.

Gililov: Ja, und das ist entscheidend. Wer Beethoven überzeugend spielen will, braucht mehr als Talent: Reife, Erfahrung und Wissen. In jungem Alter ist dieses Niveau schwer zu erreichen. Beethoven fordert alles. Musikalische Tiefe, Ausdauer und historische Kenntnisse. Deshalb liegt das Durchschnittsalter meist zwischen 25 und 30 Jahren.

Der deutsche Teilnehmer Jonas Stark fällt mit seinem jungen Alter auf.

Gililov: Er ist nicht der Jüngst, aber einer der jüngsten. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ein deutscher Pianist zeigt, wie stark die Verbindung zu Beethoven hierzulande ist – und Erfolg hat. Ein Beispiel dafür ist Hinrich Alpers: ein Ausnahmekandidat, der den Wettbewerb gewann und eine beeindruckende Karriere begann. Genau dafür sind Wettbewerbe da: jungen Talenten den entscheidenden ersten Schritt zu ermöglichen.

Haben jüngere und weniger erfahrene Pianisten einen Nachteil?

Gililov: Das hängt vom Werkverständnis ab. Beethoven ist komplex. Seine Musik wurzelt tief in seiner Zeit – in Deutschland, in Bonn, geprägt von den Ideen der Französischen Revolution. Wer Beethoven spielt, muss diese Linien erkennen und interpretatorisch erfassen. Es geht nicht um makellose Technik allein. Wir erwarten Stilkenntnis, geistige Tiefe, eine Idee. Beethoven vereint Heroik, Lyrik, Drama und Mysterium – denken Sie an die Sturmsonate. Dafür braucht man Bildung, nicht nur Begabung.

Das Repertoire wurde um Werke von Komponistinnen erweitert. Warum jetzt?

Gililov: Weil es überfällig ist. Gesellschaftlich wie musikalisch. Diese Frauen waren hochbegabt – nur hat man sie historisch übergangen. Das gilt es zu korrigieren. Deshalb rücken wir ihre Werke stärker in den Fokus.

Es gibt nun sogar einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines Werkes einer Komponistin.

Gililov: Ja, ein bewusst gesetzter Anreiz. Wir möchten junge Musiker motivieren, sich intensiv mit diesen Werken zu beschäftigen. Es geht um Sichtbarkeit und Wertschätzung. Ich wüsste kaum einen Wettbewerb, der einen solchen Preis vergibt – es ist ein notwendiger Schritt.

Oksana Lyniv dirigiert das Finale. Warum fiel die Wahl auf sie?

Gililov: Wegen ihres Talents – und wegen des Zeichens, das wir setzen wollen. Oksana Lyniv ist eine herausragende Dirigentin. Gleichzeitig ist ihre Berufung ein Signal der Solidarität mit ihrem Heimatland, das eine schwere Zeit durchlebt. Beides zusammen macht sie zur idealen Wahl.

In der Telekom-Zentrale findet eine Ausstellung über Komponistinnen statt. Wie eng ist sie mit dem Wettbewerb verknüpft?

Gililov: Sehr eng. Zwischen den Wettbewerbsrunden – vormittags und spätnachmittags – läuft ein Kulturprogramm mit Ausstellungen. Die Telekom stellt großzügig Räume zur Verfügung und unterstützt den Wettbewerb umfassend. Für ein technisches Unternehmen ist das bemerkenswert. Mir war es ein Anliegen, Beethoven auch wieder stärker nach Deutschland zu holen. In Wien gibt es seit Jahren eine Beethoven Competition – in Deutschland gab es keine. Dank der Telekom wurde das möglich.

Mehr Informationen zum Telekom Beethoven Competition gibt es in unserem concerti Lounge.

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