Interview: Marc Jonas Krohn zum 6. Mal mit Posaune bei Jugend musiziert

„Man spielt bei den schönsten Stellen mit“

Im Mai 2018 wird der sechzehnjährige Posaunist Marc Jonas Krohn zum sechsten Mal in Folge am Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Lübeck teilnehmen. Der junge Hamburger über seine Begeisterung für ein unbeliebtes Instrument

Marc Jonas Krohn © privat

Marc Jonas Krohn

Im Vergleich zu Geige, Cello und Klavier wird die Posaune etwas stiefmütterlich behandelt. Wie haben Sie zu Ihrem Instrument gefunden?

Marc Jonas Krohn: Als ich fünf Jahre alt war, habe ich mit meinen Eltern und meiner Schwester ein Konzert von Rolf Zuckowski im Hamburger Michel besucht, und dort sind auch die Instrumente vorgestellt worden. Als ich die Posaune gehört habe, dachte ich: Das will ich unbedingt mal ausprobieren. Meine Mutter war aber zunächst dagegen und deshalb konnte ich erst zwei Jahre später anfangen.

Was hatte sie denn gegen die Posaune?

Krohn: Sie kannte das Instrument nur aus Blaskapellen und fand es ganz furchtbar.

Ein verbreitetes Vorurteil. Mit welchen Argumenten würden Sie für Ihr Instrument streiten?

Krohn: Es gibt einfach ganz wundervolle Musik für das Instrument, wenn auch nicht so viel Literatur wie für die Geige. Und wenn man im großen Orchester sitzt, ist man zwar nicht permanent dabei, spielt aber bei den schönsten Stellen mit.

Wie sahen die frühen Herausforderungen beim Üben aus?

Krohn: Posaune kann man, im Gegensatz zu Klavier oder Geige, nicht unendlich lange üben. Irgendwann ist dann die Kondition zu Ende. Die Spannung in den Lippen kann man nicht unendlich lange halten. Man muss sie trainieren. Am Anfang habe ich nur zehn Minuten geschafft, inzwischen kann ich ohne Probleme auch zwei Stunden proben.

Marc Jonas Krohn

Marc Jonas Krohn © privat

2018 treten Sie zum sechsten Mal in Folge bei Jugend musiziert an. Woher nehmen Sie die Motivation, immer wieder diese Herausforderung zu suchen?

Krohn: Es macht zunächst einmal Spaß, das Instrument zu spielen. Aber bei den Vorspielen von Jugend musiziert treffe ich auch Freunde und lerne neue Menschen kennen, die in der gleichen Kategorie antreten, also meine Leidenschaft für die Posaune teilen. Der Austausch ist spannend. Und es ist eine tolle Erfahrung bei den Preisträgerkonzerten gemeinsam zu musizieren.

Das klingt so, als würden Sie mit dem Druck gut zurechtkommen.

Krohn: Ja. Aber natürlich probe ich intensiv für den Wettbewerb. Je nachdem wie gut vorbereitet ich mich fühle, bin ich dann mehr oder weniger aufgeregt. Durch die Unterstützung, die ich als Stipendiat der Oscar und Vera Ritter-Stiftung erhalte, kann ich mich voll auf meine musikalische Ausbildung konzentrieren.

Sie sind zuerst im Solowettbewerb angetreten und danach zwei Mal in Duo-Besetzung angetreten, einmal im Quartett, dieses Jahr spielen Sie wieder solo und benötigen einen Begleiter. Wie haben Sie Ihre Partner gefunden?

Krohn: Florian Albrecht, mit dem ich die ersten beiden Male angetreten bin, kannte ich aus der Hans Kauffmann Stiftung. Unsere Lehrer haben uns zusammengeführt. Die Probenleitung für die Arbeit im Quartett hat dann Stefan Geiger übernommen – er ist 1. Soloposaunist beim NDR Elbphilharmonie Orchester. Er kannte mich bereits vom NDR Jugendsinfonieorchester und hat mich gefragt, ob wir mal was zusammen machen wollen. Seine beiden Söhne Benedikt und Valentin, die Horn und Trompete spielen, haben im Quartett mitgespielt, und Stefan Geiger hat dann noch Jacob Ulrich als zweiten Trompeter mit ins Boot geholt.

Welche Themen beschäftigen Sie neben der Posaune?

Krohn: Ich interessiere mich sehr für Geschichte. Vor allem natürlich für Musikgeschichte.

Und was machen Sie wenn Sie einen Ausgleich brauchen?

Krohn: Ich mache jeden Tag Yoga, lese gerne und höre viel Musik – vor allem Klassik. Außerdem baue ich gerne Schiffsmodelle.

Ach, das ist ja sehr hanseatisch. Welches zum Beispiel?

Krohn: Ein englisches Segelschiff nach einem Revell Bausatz.

Derzeit sind Sie Jungstudent an der Musikhochschule Lübeck. Wie geht es für Sie weiter mit Ihrem Instrument?

Krohn: Ich möchte Posaune studieren und später im Orchester spielen. Dafür würde ich gerne an die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover zu Jonas Bylund, bei dem ich bereits Probeunterricht hatte.

Dafür – und natürlich für die Teilnahme bei Jugend musiziert – wünschen wir viel Erfolg!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *