MANİFEST(O)

Ein Manifest für den Frieden

Mit „MANİFEST(O)“ gedenkt der türkisch-armenische Komponist Marc Sinan den Opfern der NSU-Attentate und bewegt sich dabei zwischen Vergebung und Vergeltung.

© Nur Baute Berlin

MANİFEST(O)

MANİFEST(O)

Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat – diese Namen haben aufgrund der Gräueltaten des NSU traurige Berühmtheit erlangt und sind vor allem in der deutsch-türkischen Community, aber auch darüber hinaus bis heute unvergessen.

21 Jahre ist es mittlerweile her, dass Enver Şimşek, das erste Opfer, erschossen wurde. Grund genug für Komponist Marc Sinan, die Ereignisse in seinem als „Polytopisches Oratorium“ bezeichneten „MANİFEST(O)“ (türkisch für „Manifest“) künstlerisch aufzuarbeiten. „Wir sollten diese schrecklichen Taten zum Anlass nehmen, uns dem Kern der Verantwortung zu stellen“, erklärt er. Das abendfüllende Werk besteht aus sieben einzelnen Performances, die gleichzeitig an den Schlüsselorten der Geschehen wie Hamburg, Dortmund und Nürnberg stattfinden.

Gemeinsam gegen Rassismus

© Achava Festspiele Thüringen/Stefan Kranz

„Gleißendes Licht“ („Parlayan Nur“) aus „MANİFEST(O)“ bei den Achava Festspielen Thüringen

„Gleißendes Licht“ („Parlayan Nur“) aus „MANİFEST(O)“ bei den Achava Festspielen Thüringen

Die Performances „Die Abwesenheit Gottes“ („Tanrı’nın Yokluğu“), „Blinde Liebe“ (Kör Aşk“), „Die Anwesenheit des Menschen“ („İnsanın Varlığı“), „Der Altar der Rache“ („İntikam Sunağı“), „Glühender Hass“ („Yanan Nefret“), „Gleißendes Licht“ („Parlayan Nur“) und „Der Chor der Vergebung“ („Affetme Korosu“) erzählen von Trauer, Verlust und Vergeltung, aber auch vom Erinnern, von Reinigung und Vergebung. Sie rücken zudem die Familien der Opfer in den Fokus der Erinnerung und bieten allen Beteiligten als auch dem Publikum Raum zu Gesprächen und zum Gedenken.

An dem Projekt sind namhafte Künstler wie Derya Yıldırım, die Jenaer Philharmonie sowie die Staatsphilharmonie Nürnberg beteiligt. Alle einzelnen Stimmen werden digital miteinander verbunden und ergeben gemeinsam ein „MANİFEST(O)“, das sich gegen den in Deutschland immer noch sehr präsenten Alltagsrassismus stark macht. Für Komponist Marc Sinan ist das Projekt auch ein Stück Hoffnung: „Es gibt ihn, den Humanismus einer besseren Zukunft. Und wir müssen ihn gemeinsam finden!“

concerti-Tipp:

Sinan: MANİFEST(O)
28.10.2021, 19:00 Uhr
Derya Yıldırım, Oğuz Büyükberber, Jenaer Philharmonie, Staatsphilharmonie Nürnberg u. a.
Rostock, Jena, Köln, Heilbronn, Hamburg, München, Nürnberg

Weitere Informationen finden Sie hier.

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