Spielstättenporträt: Festsaal im Park Schönbusch

Wo die schottischen Hochlandrinder grasen

Im Herzen des Parks Schönbusch in Aschaffenburg wird der kurfürstliche Pavillion jedes Jahr zum Kammermusiksaal

© Bayerische Schlösserverwaltung

Festsaal im Park Schönbusch

Festsaal im Park Schönbusch

„Alles scheint Natur, so glücklich ist die Kunst versteckt“, fand einst der berühmte Gartentheoreti­ker C. C. L. Hirschfeld, als er 1783 den Schönbusch besuchte, einer der ältesten Landschaftsgärten Deutschlands im Westen von Aschaffenburg. 1776 hatte der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Friedrich Karl von Erthal den Gartenbaumeister Friedrich Ludwig von Sckell beauftragt, aus dem kurfürstlichen Wildgehege einen Park zu gestalten – ganz im englischen Stil wie der Garten in München. Künstliche Seen und Wasserläufe wurden ausgehoben, Hügel aufgeschüttet und ein Gürtelweg angelegt, der sich über zwanzig Kilometer erstreckt. Auf ihn kann man wandeln, inmitten malerischer Wiesentäler und schattiger Waldstücke und vorbei am Freundschaftstempel, am Philosophenhaus, dem Aussichtsturm, der Nilkheimer Kapelle und über die Rote Brücke unten am See.

Lustwandeln bei den Schönbusch-Serenaden

Sogar einen Irrgarten gibt es in diesem Gartenkunstwerk und eine Teufelsbrücke, die sich über die Bäume schwingt. Direkt am See liegt auch das berühmte Schloss – eigentlich „nur“ ein kurfürstlicher, rechteckiger Pavillon, denn kein Monarch hat hier je residiert. Landschaftsmalereien schmücken den Festsaal – auch Speisesaal genannt – des im frühklassizistischen Stil erbauten Anwesens. Und über den 130 Köpfen, die im Festsaal Platz finden, schwebt Göttin Flora. Aus den weiten Fenstern kann man auf das Stadtschloss Johannisburg in Aschaffenburg blicken, während man den exquisiten Kammermusikensembles lauscht, die sich jedes Jahr hier im Rahmen der Schönbusch-­Serenaden einfinden.

Festsaal im Park Schönbusch

Festsaal im Park Schönbusch

Festsaal im Park Schönbusch © Bayerische Schlösserverwaltung

Bereits im Jahre 1783 legte die Gartenordnung fest, dass der Garten auch für „das gemeine Volk“ zu öffnen sei. Ein Glück für alle Freunde feinster Kammermusikklänge, die seither jährlich in den Park strömen. Allerdings unter der Auflage, die „sittliche bürgerliche Conduite“ nicht durch „ruhestörendes Berauschen“ oder „Ausschweifungen beiderlei Geschlechtspersonen“ zu stören. Die schottischen Hochlandrinder aber, die das ganze Jahr um das pittoreske Staffage­-Dörfchen und seine Hirtenhäuschen grasen, dürfen machen, was sie wollen.

concerti-Tipp:

Schönbusch-Serenaden
Do, 10. Mai 2018, 20:00 Uhr
Ort: Park Schönbusch Festsaal, Aschaffenburg
Mit: Weimarer Bläserquintett

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