Corona: Offener Brief der GMD und Chefdirigent*innenkonferenz

Der Ton macht die Musik

Die GMD und Chefdirigent*innenkonferenz wendet sich mit einem Offenen Brief an die Politik.

© Christopher Civitillo

Marcus Bosch

Marcus Bosch

Angesichts des zweiten kulturellen Lockdowns wendet sich die GMD und Chefdirigent*innenkonferenz unter dem Vorstand von Prof. Marcus Bosch mit einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsident*innen und die Kulturstaatsministerin, in dem unter anderem die Sicherung der kulturellen Bildung sowie die Zahlung von Ausfallhonoraren für Soloselbstständige und Freiberufler gefordert wird:

Sehr geehrte Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel,
sehr geehrte Kulturstaatsministerin Frau Prof. h.c. Grütters, sehr geehrte Ministerpräsident*innen,

Zum zweiten Mal in diesem Jahr erfährt die kulturelle Landschaft in Deutschland eine abrupte Stummschaltung. Anders als im März diesen Jahres sind Theater- und Konzertsäle nun aber erwiesenermaßen sicherer als die meisten Einrichtungen der landesweiten Infrastruktur und hervorragend für die hygienischen Anforderungen der Corona-Pandemie gerüstet. Trotzdem wird der Bereich der Kultur wiederum direkt abgeschaltet. Solange aber unsere Kinder und Enkel in überfüllten Schulbussen, Bahnen und schlecht belüfteten Klassenzimmern sitzen und gleichzeitig milliardenschwer subventionierte Inlandsflüge stattfinden, fällt es uns mehr als schwer, an die Wirksamkeit der Maßnahmen zu glauben. Vielmehr drängt sich uns der bittere Eindruck auf, dass der Stellenwert der Kultur trotz Ihrer Lippenbekenntnisse der vergangenen Monate so gering ist, dass der erste Lösungsansatz gegen steigende Infektionszahlen scheint: „Ist das Kunst? Dann kann das doch weg!“

Wir, die von Ihnen als Freizeiteinrichtungen betrachtet werden, sind uns unserer Verantwortung für unser Publikum und die Musiker*innen, aber auch der gesamten Gesellschaft gegenüber, bewußt. Die geforderte Solidarität ist aber nur dann für alle leistbar, wenn nicht gleichzeitig Teile unserer Gesellschaft ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Gerade in der Kultur stehen nun zahllose Soloselbstständige, Freiberufler und in Mischformen Beschäftigte zum wiederholten Male unverschuldet vor dem Aus. Und das, obwohl viele Monate Zeit war, sich für diese Bevölkerungsgruppen adäquate Lösungen zu finden.

Das uns von Ihnen nun neuerlich auferlegte Schweigen der Kultur ist für viele Menschen auch ein stückweit Verlust ihrer Identität. Geld alleine wird dieses Loch nicht zuschütten.

Wir fordern von der Politik im weiteren Verlauf der Pandemie evidenzbasierte Entscheidungen für den Kultursektor. Wir fordern, im November die Musikschulen bundeseinheitlich offen zu lassen und sie in dieser Hinsicht den Schulen gleichzustellen. Hier könnte die Politik beweisen, wie wichtig ihr kulturelle Bildung in unserer Gesellschaft wirklich ist. Wir fordern Ausfallhonorare in Höhe von 75 Prozent der verhandelten Gage beziehungsweise des Jahresmonatsdurchschnittslohns für die freiberuflich Tätigen.

Lassen Sie uns gemeinsam an Lösungen arbeiten. Lösungen, die Menschen schützen und die Kulturnation Deutschland erhalten.

Der Ton macht die Musik – davon verstehen wir etwas!

GMD und Chefdirigent*innenkonferenz e.V.

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