Deutsche Oper Berlin: „Baby Doll“

Beethovens Siebte trifft auf Geschichten von der Flucht

Das Projekt „Baby Doll“ erzählt von sexueller Gewalt in der aktuellen Migrationskrise.

© Noémie Gillot

In „Baby Doll“ treffen Geschichten von geflüchteten Frauen auf die Musik Beethovens

In „Baby Doll“ treffen Geschichten von geflüchteten Frauen auf die Musik Beethovens

Bereits am Ende der letzten Spielzeit hat die Deutsche Oper Berlin Mut zum Experiment bewiesen: Mit einer entschlackten Version von Wagners „Rheingold“ für vielfarbig luxierendes Kammerorchester in einer sehr gelungenen Open-Air-Inszenierung auf dem hauseigenen Parkdeck. Der Grund waren damals Corona und alles, was damit zusammenhängt. Daran hat sich nur wenig geändert. Somit zeigt sich die Deutsche Oper auch zu Beginn der neuen Saison experimentierfreudig: Statt des herkömmlichen Repertoires gibt es eine Gastproduktion aus Frankreich, die Beethoven, Klezmer-Musik und Fluchterfahrungen aus der jüngsten Geschichte zusammenbringt.

„Baby Doll“

Die Arbeit „Baby Doll – Eine Flucht mit Beethovens 7. Sinfonie“ der Pariser Filmemacherin und Regisseurin Marie-Ève Signeyrole verbindet ein szenisches Konzert mit Mitteln des Tanzes, des Dokumentartheaters und der Video-Installation. Erzählt werden die realen Geschichten geflüchteter Frauen, die in den letzten Jahren nach Europa gekommen sind. Nicht wenige von ihnen wurden Opfer von Übergriffen, oft auch sexualisierter Gewalt. Um dieser Gefahr zu entgehen, täuschten manche mit Babypuppen Schwanger- oder Mutterschaft vor. Auf diese schockierenden Zeugnisse trifft Beethovens 7. Sinfonie, die mit der Fokussierung auf rhythmische Impulse die Utopie einer freien Gesellschaft entwirft. Zumindest kann sie so gedeutet werden. Beethovens Musik wiederum trifft auf aktuelle Klezmer-Klänge des französischen Klarinettisten Yom und seines Quartetts. Hier werden Grenzen geöffnet.

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