Wenn eine Gesellschaft sich neu erfinden muss, steht auch die Moral auf dem Prüfstand. Davon erzählt Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos’ Briefroman Gefährliche Liebschaften. Bei seinem Erscheinen im Jahr 1782 löste das Buch mit seiner Schilderung sexueller Ausschweifungen, die sich respektlos über die herrschenden Normen hinwegsetzten, einen Skandal aus. Zugleich traf es am Ende des Ancien Régime aber auch den Nerv einer Zeit, die den Absolutismus zu überwinden versuchte und die Gepflogenheiten der privilegierten Schicht infrage stellte. So wurde das pikante Sittengemälde des Offiziers und Schriftstellers Laclos zu einem Erfolg, der seinesgleichen sucht – und zu einem Hauptwerk der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts, das in etlichen Verfilmungen und Bühnenbearbeitungen seinen Niederschlag fand.
Revolutionsgeschichte
Fast prophetisch mutet es an, dass auch DDR-Dramatiker Heiner Müller den Stoff für sich entdeckte und in sein Zwei-Personen-Stück „Quartett“ einfließen ließ, das 1982 am Schauspielhaus Bochum uraufgeführt wurde – genau 200 Jahre nach Erscheinen von Laclos’ Romanvorlage. Während die Geschichtsbücher sieben Jahre später den Ausbruch der Französischen Revolution verzeichnen, kam es sieben Jahre nach der Uraufführung von „Quartett“ zur „Friedlichen Revolution“ in Ost-Deutschland. In der Rückschau fällt es leicht, Müllers Drama als Abgesang auf die DDR zu lesen, wenngleich der Autor die Handlung des Stücks simultan in einem Salon vor der Französischen Revolution und in einem Bunker nach dem „dritten Weltkrieg“ ansiedelt.
„Quartett“ verlangt höchste Anforderungen
Letztendlich aber ist der Stoff so zeitlos, dass Komponist Luca Francesconi Müllers „Quartett“ dreißig Jahre später in eine Oper verwandelte, die 2011 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. In Deutschland wurde das Werk bisher nur in Dortmund inszeniert, denn die Anforderungen an die beiden Sänger sowie der technische Aufwand für die akustische Umsetzung der Partitur sind immens. So wird das Spiel zwischen Lust, Macht und Gewalt von einem Kammerorchester begleitet, dessen Instrumentenfarben sich zusammen mit eingespielten Aufnahmen von Chor und Fernorchester zu Klangflächen formen, in die die Live-Elektronik mit Geräuschen und Effekten verfremdend eingreift.
Termintipp
Do., 02. April 2026 11:00 Uhr
Konzert
Elena Bashkirova, Staatsphilharmonie Nürnberg, Nabil Shehata
Mozart: Ouvertüre zu „La clemenza di Tito“ KV 621, Schumann: Klavierkonzert a-Moll op. 54, Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36
Do., 02. April 2026 11:00 Uhr
Konzert
Do., 02. April 2026 12:00 Uhr
Musik in Kirchen
Company of Music, Johannes Hiemetsberger, Nadja Kayali
Übergänge Festival
Do., 02. April 2026 13:00 Uhr
Konzert
Do., 02. April 2026 14:00 Uhr
Kinder & Jugend
Hänsel & Gretel – neu verknuspert
Anna Tropper-Lener (Violine & Rezitation), Alexander „Xidi“ Christof (Akkordeon & Rezitation), Christoph Steiner (Regie)




