Zum 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie

Jazzpionier mit Weltsicht

Er gilt bis heute als Inbegriff des Jazz-Hipsters, war nie um eine Slapstik-Einlage auf der Bühne verlegen und revolutionierte ganz nebenbei ein ganzes Genre. Heute wäre Jazzlegende Dizzy Gillespie 100 Jahre alt geworden

© Roland Godefroy/Wikimedia Commons

Dizzy Gillespie

Dizzy Gillespie

Als Dizzy Gillespie 1964 für das Amt des amerikanischen Präsidenten kandidierte, lautete seine Begründung schlicht: „Ich kandidiere als Präsident, weil wir einen brauchen!“. Diese Art von lässig-subtilen und gleichzeitig ironisch gefärbten Bemerkungen beherrschte Gillespie wie kein zweiter – nicht von ungefähr kommt sein Kosename „Clown des Bebop“. Doch hinter seinem Image als charmanter Spaßmacher steckte ein Musiker, dessen Experimentierlust und Pioniergeist zusammen mit einem hohen Maß an Musikalität ein ganzes Genre prägte.

Erfolgreicher Pionier: Dizzy Gillespie

Geboren wurde John Birks „Dizzy“ Gillespie 1917 in Cheraw, South Carolina, als Sohn eines lokalen Amateur-Bandleaders. Durch seinen Vater maßgeblich gefördert, begann er mit vier Jahren mit dem Klavierspiel, erlernte autodidaktisch Posaune und wechselte rund um sein zwölftes Lebensjahr zur Trompete. Statt einer akademischen Musikausbildung durchlief er eine harte Schule in diversen Bigbands der Swing-Ära, tourte durch Europa und traf schließlich 1942 in der Band von Pianist Earl Hines auf Charlie Parker.

Gemeinsam mit Parker, dem damals ebenfalls noch unbekannten Thelonious Monk und dem Vibraphonist und Schlagzeuger Kenny Clarke entwickelte er in nächtlichen Jamsessions in Minton’s Playhouse im New Yorker Stadtteil Harlem ganz nebenbei das Jazzgenre, welches später als Bebop in die Musikgeschichte eingehen sollte.

„Gillespie pouch“

Ab 1940 schrieb er richtungsweisende Kompositionen wie „A Night in Tunisia“, „Groovin’ High“ und „Manteca“, die schnell zu Jazzstandards avancierten, dazu gründete Dizzy Gillespie 1946 seine eigene Big Band, aus der Jazzgrößen wie John Lewis, Milt Jackson und John Coltrane hervorgehen sollten. Als er diese jedoch nach nur vier Jahren aus Geldnöten wieder auflösen musste, konzentrierte sich Gillespie in den 1950er-Jahren auf kleinere Formationen.

© JPRoche/Wikimedia Commons

Dizzy Gillespie

Dizzy Gillespie

Sein signifikanter Trompetenton wurde stilprägend für viele nachfolgende Generationen junger Jazztrompeter, sein Instrument – eine Trompete mit nach oben gebogenem Schalltrichter – wurde ebenso zu seinem Markenzeichen, wie seine prall aufgeblasenen Wangen, für die die Medizin den Fachbegriff „Gillespie pouch“ erfand.

Integrationsfigur

In seiner späteren Schaffensphase beschäftigte sich Dizzy Gillespie vermehrt mit lateinamerikanischen und afrokubanischen Klängen, gründete das United Nation Orchestra und setzte sich vermehrt gegen Rassismus ein. Durch sein Eintreten für Humanität und Verständigung zwischen den Völkern veränderte sich auch seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Sein Imagewandel vom „Clown des Bebop“ hin zur Integrationsfigur des Jazz brachte ihm internationale Beachtung. Dizzy Gillespie starb 1993 in Englewood, New Jersey.

Dizzy Gillespie in Aktion:

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