Porträt Markus Brück

Im Ensemble liegt die Kraft

Statt um die Welt zu jetten, singt der Bariton Markus Brück lieber an der Deutschen Oper

© Matthias Horn

Im Ensemble liegt die Kraft

Opernstars sind rastlose Wesen. Sie verbringen ein Leben zwischen Flughafen, Hotelzimmer und Bühne und wechseln ihre Kostüme fast so oft wie den aktuellen Wohnsitz. Alle Opernstars? Nicht ganz. Einer der wenigen, die lieber einem festen Ensemble angehören, ist Markus Brück, Bariton und Publikumsliebling der Deutschen Oper. Er hat an der Scala und in Bayreuth, an der Semperoper und in Salzburg gesungen. Doch statt dauerhaft aufs Star-Karussell zu steigen, hält Brück seit nunmehr elf Jahren dem Haus an der Bismarckstraße die Treue. 40 Mal ist er dort in dieser Saison zu erleben, in zehn verschiedenen Rollen vom Pagageno in der Zauberflöte bis zum Faninal im Rosenkavalier.

„Ich bin gerne irgendwo zu Hause, künstlerisch und privat, und ich fühle mich an der Deutschen Oper sehr wohl, was die Kollegen, das Publikum, die Stadt angeht. Ich genieße es, zwei- oder dreimal im Jahr zu gastieren, aber neun bis zehn Monate nur in Hotelzimmern oder irgendwelchen Apartments zu wohnen, kann ich mir nicht vorstellen.“

Markus Brück ist ein stattlicher Mann mit einem fröhlichen Lachen, der auf eine gesunde Art uneitel und geerdet wirkt. Er lässt die Dinge sich entwickeln – und seine Stimme. Angefangen hat er als lyrischer Bariton in der „Provinz“, in Hagen, Kaiserslautern und Wiesbaden. Dann kam der Wechsel ins Kavalierfach und damit die Paraderollen des Wolfram im Tannhäuser, des Germont in der Traviata oder des Grafen im Figaro – „eine unglaublich dankbare Partie“. In Köln wird er im Frühjahr sein Debüt als Rigoletto geben, in einer Inszenierung von Katharina Thalbach.

Der nächste Schritt wäre nun der Wechsel ins Charakterfach. „Mir wurde schon mehrmals Alberich angeboten, das ist auf dem Markt schwer gesucht. Aber wenn ich den häufiger singe, schlage ich mir die Tür für sämtliche Mozart-Partien und die Italiener zu. Da habe ich noch zehn, fünfzehn Jahre Zeit.“

Die Lücke zu nutzen und schnell das große Geld zu machen, ist für Brück kein Thema. „Dazu habe ich zu viel Spaß am Singen. Es gibt viele traurige Beispiele von Kollegen, die zu früh das Fach wechseln. Dann ist nach fünf, sechs Jahren Schicht im Schacht, im wahrsten Sinne des Wortes. Am Anfang fühlt man sich wohl, und dass man sich überschätzt hat, merkt man zu spät. In diesem Beruf muss man auf sich selbst aufpassen. Wenn man nicht mit sich selbst ins Gericht gehen kann oder niemanden hat, der einen ehrlich kritisiert, wird es schwierig.“ Brücks Korrektiv ist sein Bruder Jochen Schmeckenbecher, ebenfalls Profi-Bariton. „Dem vertraue ich blind.“

Auch wenn er „mit Leib und Seele Opernsänger“ ist, genießt Markus Brück die Ausflüge auf die Konzertbühne – wie im November im Lohengrin in Janowskis konzertantem Wagner-Zyklus. „Ich verbringe mein Leben damit, in mehr oder weniger albernen Kostümen über die Bühne zu rennen und jemand anders zu sein“, sagt er mit seinem herzlichen Lachen. „Da genieße ich es im Liederabend und im Konzert nur meine Stimme, mein Empfinden und meine Interpretationsfähigkeit in den Dienst der Musik zu stellen.“

Fast schon Kult sind die ganz eigenen „Liederabende“, die Brück mit seinen Kollegen Paul Kaufmann und Jörg Schörner jedes Jahr im Foyer der Deutschen Oper gibt: Die beginnen mit dem Wirtshaus aus der Winterreise und mutieren dann zu einem schrägen Schlagerabend oder einem VHS-Kurs „Richtiges Applaudieren“. Auch einen eigenen Stummfilm über „das wahre Leben des Lohengrin“ haben die drei schon live vertont.

Ansonsten freut sich Brück auf schöne Premieren in den nächsten Jahren an seinem Haus und genießt das Leben als Bariton. „Ich liebe Charakterstudien von komisch über tragisch bis hin zu skurril, da ist man im Baritonfach perfekt aufgehoben. Ich muss keinen Liebhaber spielen und immer in der ersten Reihe stehen. Die einzige Partie, für die ich gerne Tenor sein würde, ist Peter Grimes.“

Übersehen und überhören kann man Markus Brück in seinen zahlreichen Rollen an der Bismarckstraße nicht, und es ist absolut verdient, dass man ihn jüngst mit dem Titel eines Berliner Kammersängers ausgezeichnet hat. Hoffen wir, dass er den Verlockungen des Marktes gegenüber noch eine Weile standhaft und der Deutschen Oper treu bleibt.

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