Porträt über den Speicher am Kaufhauskanal

Wenn der Harburger Binnenhafen zum kulturellen Umschlagplatz wird

Im Speicher am Kaufhauskanal treffen Kurt Weills Frauenfiguren auf den „Zauber der Nacht“ – und Chopins Liebe zu George Sand

Speicher am Kaufhauskanal © Speicher am Kaufhauskanal

Speicher am Kaufhauskanal

Umgeben vom industriellen Charme des Harburger Binnenhafens, zwischen modernen Bürokomplexen und der Technischen Universität Hamburg-Harburg liegt eine Musik- und Kulturstätte der besonderen Art: der Speicher am Kaufhauskanal. 1827 ursprünglich als Kaufhaus genutzt, wurde daraus aufgrund der Zollunion dreißig Jahre später ein Speicher für landwirtschaftliche Güter.

Die Idee, aus dem einstigen Speicher eine Kulturstätte zu machen, kam vom Besitzer Rolf Lengemann. Der ehemalige Manager, dem das Gebäude in dritter Generation gehört, investierte selbst in den Umbau und die Sanierung. Zusätzlich holte er Henry C. Brinker mit ins Boot, der unter anderem als Politik- und Kulturjournalist sowie Kommunikationsdirektor der Dresdner Semperoper tätig war. Gemeinsam mit seiner Frau leitet und organisiert Brinker seitdem die Veranstaltungen dort.

Musik genießen in privater Atmosphäre

Im Zuge der Umbauarbeiten wurde der Konzertsaal offen und weitläufig konzipiert. Das Holz als vorherrschender Baustoff sorgt für perfekte akustische Voraussetzungen. Das stellte auch der Protagonist des ersten Konzertes erfreut fest, der dort einen Klavierabend gab und über mannigfache Vergleichsmöglichkeiten verfügt, nämlich Justus Frantz. Zusätzlich trage die „Unvollkommenheit“ des Saales durch seine Holzstützen und eine relativ kleine Bühne dazu bei, dass die Gäste dort in einer besonders privaten und nahen Atmosphäre Musik genießen können, erklärt Brinker.

Speicher am Kaufhauskanal

Speicher am Kaufhauskanal © Speicher am Kaufhauskanal

Doch um den kulturellen Betrieb der Spielstätte letztlich sichern zu können, haben er und Lengemann beschlossen, neben der Kulturstätte auch eine Eventlocation in das Gebäude zu integrieren. „Wir haben pro Jahr dreißig Kulturveranstaltungen, davon sind zehn Eigen- und zwanzig Gastveranstaltungen“, so Brinker. Zu den Gastveranstaltern gehören unter anderem das Internationale Musikfest Harburg-Buxtehude, das Niedersächsische Musikfestival und das Hamburger Literaturfestival.

Herzensangelegenheit: Speicher am Kaufhauskanal

Trotzdem sei der Betrieb sehr kostenintensiv und das Gebäude brauche viel Pflege und Personaleinsatz, so der Leiter. Deswegen wurde zudem das Modell entwickelt, den Speicher am Kaufhauskanal über verschiedene Veranstaltungen wie Messen, Weihnachtsfeiern oder Hochzeiten zu finanzieren. „Wir sind eine der beliebtesten Hochzeitslocations im Hamburger Süden und freuen uns auch ganz besonders darüber, dass wir in diesem Jahr wieder den ,Hamburg Innovation Summit‘ zu Gast haben“, erzählt Brinker.

Für ihn ist die Arbeit im Speicher am Kaufhauskanal eine Herzensangelegenheit. „Nach langjähriger Arbeit bei verschiedenen großen Medien und Kulturanbietern hatte ich eine unheimliche Sehnsucht danach, nicht mehr für andere etwas durchführen zu müssen ohne Rücksicht darauf, ob ich es mag oder nicht“. Lengemann gebe Brinker die Freiheiten und das Vertrauen, ein Kulturprogramm nach seinen eigenen Vorstellungen zusammenzustellen. Diese Aufgabe sei die härteste seines Lebens, aber gleichzeitig auch die schönste. „Wer in unser Programm kommt, der wird sich sicher bei manchen Aufführungen Fragen stellen. Aber bei einem kann man sich sicher sein: In allem steckt ein bisschen meiner Liebe zur Kultur drin“.

Auch ungewöhnliche Musik findet im Speicher am Kaufhauskanal einen Platz:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *