Porträt Zauberflöte am Wannsee

Und es bewegt sich doch

Die Tücken des Wassers stellen das Team der Zauberflöte am Wannsee vor besondere Herausforderungen

© Lutz Edelhoff

Es handelt sich um eine der „größten“ Zauberflöte-Inszenierungen, die es je gab: 40 mal 30 Meter misst die schwimmende Bühne im Strandbad Wannsee. Außerordentlich groß ist aber auch der Zeitdruck bei dieser Produktion der Seefestspiele. Binnen weniger Monate wurde das Regieteam um Katharina Thalbach zusammengestellt. Wenig Zeit, bedenkt man, dass die Aufführungen an einem Ort stattfinden, der bislang keinerlei Open-Air-Infrastruktur bietet.

Bühnenbildner Momme Röhrbein hat seinen Vertrag erst im Herbst unterschrieben. Und schon im Januar musste sein Entwurf vorliegen, damit noch genug Zeit für die Fertigung der Kulissen blieb. „Zu Beginn suchte ich nach einem großen, aussagekräftigen Bild, das man sofort mit der Zauberflöte assoziiert“, erinnert er sich; schließlich seien häufige Szenenwechsel im Freilufttheater problematisch. Die Beschäftigung mit den Symbolen der Freimaurer brachte ihn dann auf die Idee der Pyramide mit einem Auge im Zentrum.

Siebzehn Meter wird das mit Holz und Kunststoff verkleidete Stahlgerüst in die Höhe ragen. Das heißt nun aber nicht, dass der Zuschauer fortwährend den Kopf drehen müsste, um den Darstellern zu folgen. „Das Geschehen konzentriert sich auf wenige Bereiche“, erklärt Röhrbein. „Vor dem Pyramidenauge entsteht eine Felsen- und Ruinenlandschaft. Dort agieren die Darsteller auf einer Brücke in acht Metern Höhe.“ Das Auge sei die Welt Sarastros; der Bereich unten am Wasser das Gebiet der Königin der Nacht. „Da naturalistisch nachgemachte Plastik-Felsen ziemlich albern aussehen, wollte ich dem Ganzen die Anmutung einer alten Radierung geben“, so Röhrbein. „Dazu tragen auch die Lichteffekte bei.“

Tondesigner Holger Schwark steht bei dieser Zauberflöte ebenfalls vor großen Herausforderungen. „Die Akustik ist bei einer Freiluftproduktion immer ein Kompromiss“, sagt er. „Noch schwieriger wird es aber, wenn die freie Sicht auf die Bühne nicht durch die Technik behindert werden darf.“ Schwark platziert nun Lautsprecher an die vier Beleuchtungstürme seitlich der Zuschauertribüne und zudem kleinere Boxen vorne an den Bühnenrand.
Die Darsteller tragen Mikroports, jene winzigen Mikrofone, wie sie im Musical verwendet werden. 24 Mikrofone nehmen den Klang des Orchesters ab, das regensicher auf einer eigenen Insel unter einem Kuppelzelt sitzt. Eine Unsicherheit aber bleibt: der See. „Zwischen Bühne und Ufer befinden sich mindestens zehn Meter Wasser, das teilweise in die Handlung einbezogen wird“, erläutert Schwark. „Wenn sich die Oberfläche bewegt, hat das besondere akustische Effekte.“

Darauf wird sich der Tondesigner kurz vor der Premiere rasch einstellen müssen. Nur zweieinhalb Tage hat er Zeit, um zusammen mit vier Technikern die Lautsprecher aufzustellen und Kabel zu verlegen. Auch dabei bereitet das Wasser besondere Umstände: Um trockenen Fußes auf die Bühne zu gelangen, muss man 80 Meter Umweg über einen Steg laufen.

Den besten Höreindruck wird man auf den mittleren Plätzen einer jeden Reihe haben. Gleichwohl verspricht Holger Schwark: „Jeder wird gut hören können, ohne dass es denen, die zu nah am Lautsprecher sitzen, zu laut wird.“ Von akustischen Einbußen im Vergleich zum Opernhaus möchte der Tondesigner nicht sprechen. „Die Seefestspiele bieten einfach eine andere Ästhetik. Eine Aufführung unter freiem Himmel ist ein ganz besonderes Erlebnis: ein Gesamtkunstwerk, wo neben dem Höreindruck vieles andere eine Rolle spielt.“

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