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Rezension Edwin Fardini – Posa: Lieder

Famose Entdeckung

Hier wird Musikgeschichte geschrieben: Bariton Edwin Fardini und Kollegen präsentieren erstmals Werke des jüdischen Komponisten Oskar C. Posa.

vonEcki Ramón Weber,

Das französische Label Voilà Records versteht sich als Haus für vergessene Musik. Es gibt vor allem Weltersteinspielungen. So auch diese wichtige Neuerscheinung mit Werken des aus Böhmen stammenden jüdischen Komponisten Oskar C. Posa, der in Österreich wirkte und dessen Karriere 1938 von den Nazis zerstört wurde. Den Zweiten Weltkrieg überlebte er zwar, starb aber 1951 unbeachtet und verarmt in Wien. Die Musik von Posa, der sich künstlerisch im Kreis von Schönberg und Zemlinsky bewegte, belegt, dass die Wiener Moderne früh vielfach ausstrahlte. Posa schrieb eine Menge Lieder, etwa auf Gedichte von Ricarda Huch, Theodor Storm und Richard Dehmel sowie den Zyklus Soldatenlieder. Der Bariton Edwin Fardini fängt ausdrucksstark die spätromantisch-frühmoderne Sehnsucht und Brüchigkeit ein, aber auch die Eleganz und das Raffinement der Epoche. In Duetten mit Violine sowie Cello und Klavier hat Posa gestenreiche Interaktionen zwischen Dialog und Wettkampf verhandelt, eindrucksvoll umgesetzt von Eva Zavaro, Simon Dechambre und Juliette Journaux. Posas spätes Streichquartett bewegt sich von dunklen Nebeln hin zu lichteren Gefilden, entfesselt Tanzimpulse und Fugenkunst mit expressiven Melodien. Dieses Doppelalbum ist eine der interessantesten Ausgrabungen der letzten Jahre.

Posa: Lieder, Streichquartett, Albumblatt, Violinsonate & Andante für Violoncello & Klavier

Edwin Fardini (Bariton), Eva Zavaro (Violine), Simon Dechambre (Violoncello), Juliette Journaux (Klavier), Quatuor Métamorphoses
Voilà Records

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