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CD-Rezension Jörg Meder

Leipziger Ausgrabung

Eine vergessene deutschsprachige Barockoper präsentiert das United Continuo Ensemble unter Jörg Meder – ein Kennenlernen lohnt sich

vonEcki Ramón Weber,

So gut wie unbekannt ist der Barockkomponist Christian Ludwig Boxberg. Er war Sänger am ersten bürgerlichen Opernhaus in Mitteldeutschland, das in Leipzig stand. Zudem schuf er Opern. Etwa Sardanapalus, die Geschichte um den gleichnamigen assyrischen König, der zwar keine Lust aufs Regieren, aber dafür Gefallen an Frau und Mann gleichermaßen hatte. Falsche Identitäten und Irrungen und Wirrungen der Liebe gibt es in dieser Oper zuhauf. Ein gefundenes Fressen eigentlich für heutige Queer-Theoretiker. Auf jeden Fall wartet dieses Werk mit Theatermusik in kräftigen Farben auf, lebendig, leichtfüßig, mitunter sogar dramatisch und betörend. Das United Continuo Ensemble unter Jörg Meder bringt dies energiegeladen und in schöner Transparenz zum Klingen. Das Sängerensemble um den strahlkräftigen Tenor Jan Kobow weist allerdings mitunter Schwächen auf. Dennoch: Hier wird ambitioniert eine Lücke im Repertoire geschlossen. Und das ist sehr verdienstvoll.

Christian Ludwig Boxberg: Sardanapalus
Jan Kobow (Tenor), Rinnat Moriah (Sopran), Theodora Baka (Mezzosopran), Cornelia Samuelis (Sopran), Franz Vitzthum (Countertenor), Markus Flaig (Bass), Sören Richter (Tenor), Felix Schwandtke (Bass), Kirline Cirule (Sopran), Philipp Nicklaus (Tenor), United Continuo Ensemble, Jörg Meder (Leitung)
Pan Classics (3 CDs)

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