Das Konzept der Autorin Michaela Fridrich ist recht einleuchtend: Zunächst führt sie in die Biografie der einen Hälfte des berühmten Klavierduos Tal & Groethuysen ein, dann widmet sie sich der anderen Hälfte, ehe sie das Duo gemeinsam porträtiert. Michaela Fridrich ergänzt diese sehr genau recherchierten und in einer schönen, gut lesbaren Sprache verfassten Texte durch drei Interviews, eines mit Yaara Tal, eines mit Andreas Groethuysen und eines mit beiden gemeinsam. Auch wer die überaus erfolgreiche Arbeit der beiden, nicht selten als das „beste Klavierduo der Welt“ gerühmten, Pianisten seit langem verfolgt, wird hier viel Neues erfahren, insbesondere aus der Kindheit und Jugend sowie dem jeweiligen Beginn ihrer Solokarrieren.
War es doch keineswegs naheliegend, dass die in Israel als Tochter jüdischer Immigranten, die große Teile ihrer Familie im Holocaust verloren hatten, aufgewachsene Yaara Tal und der aus einer Münchner Künstlerfamilie stammende Andreas Groethuysen zueinander finden würden – künstlerisch wie privat. Fridrich gelingt es, den professionellen Blick auf ihren Gegenstand mit der Freundschaft zu dem Paar, dessen Weg sie seit über 20 Jahren verfolgt, so zu verbinden, dass der Leser nicht den mitunter peinlichen Eindruck bekommt, einem Fan zu lauschen. Wer das Duo kennt und schätzt, wird sich freuen, die Musiker näher kennenzulernen. Und wer ihrer stets ebenso faszinierenden wie überzeugenden Interpretationskunst tatsächlich noch nicht begegnet sein sollte, könnte das Buch zum Anlass nehmen, dieses Versäumnis nachzuholen.

Duo Tal & Groethuysen. Seiltänze mit zwanzig Fingern
Michaela Fridrich
edition text + kritik
141 Seiten, 20 Euro






