Termintipp

Benatzky: Im weißen Rössl

Wo alle Tage das Glück vor der Tür steht: Im Weissen Rössl finden sich erstmals auch plattdeutsch parlierende Urlauber ein

© Silke Winkler

Mecklenburgisches Staatstheater

Mecklenburgisches Staatstheater

Es gibt Textzeilen, die sich durch bloßes Lesen in Kopf-Musik verwandeln: „Im Salzkammergut, da ka’mer gut lustig sein!“ Das gilt für einige Titel, die Im weissen Rössl am Wolfgangsee gesungen werden, wo bekanntlich das Glück vor der Tür steht. Allerdings begehrt dort zunächst – gemäß Operetten-Handlung – Franz Joseph I. Einlass, seines Zeichens Kaiser von Österreich. Die Ankunft des hohen Gastes versetzt das Personal der (tatsächlich existierenden) Hotel-Pension „Zum weissen Rössl“ in noch höhere Alarmbereitschaft, allen voran Wirtin Josepha. Die muss nicht nur den Ansturm zahlreicher Touristen verkraften, sondern auch jenen ihres Zahlkellners Leopold, der sich unsterblich in sie verliebt hat. Erschwerend hinzu kommen allerlei hormonell gesteuerte Avancen unter den Angereisten, die sich durch Verwicklungen erst in den Haaren, im Finale dann in den Armen liegen.

Das Singspiel wurde 1930 in Berlin uraufgeführt. Komponist Ralph Benatzky, Jahrgang 1884, schuf eine ganze Serie von Ohrwürmern, darunter beispielsweise „Es muß was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden“ und „Die ganze Welt ist himmelblau, wenn ich in deine Augen schau“. Unter nationalsozialistischer Kulturpolitik verschwand das unterhaltsame Werk von den Spielplänen: zum einen galt die Badeszene als deutlich zu gewagt, zum anderen störte, dass bestimmte Färbungen des österreichischen Lokalkolorits eingesetzt wurden, um gezielt Lacher zu provozieren. Doch vor allem galt das ab 1933 verhängte Verbot den zahlreichen jüdischen Künstlern, die an der Uraufführung beteiligt waren, insbesondere den Autoren. In weiser Voraussicht hatte Ralph Benatzky Berlin schon 1932 verlassen, angeekelt von „Urgermanen mit Wampe und Nackenspeck“!

Für die Premiere am Mecklenburgischen Staatstheater wird das Ferienparadies mit Alpenblick nun ins norddeutsche Flachland überführt. Drei Sparten des Hauses – Ballett, Musiktheater und die niederdeutsche Fritz-Reuter-Bühne – schultern die Produktion gemeinsam. Das ermöglicht choreografierte, gemeinsame Auftritte von Gesangs-Chor und Tänzern sowie fünf plattdeutsch parlierende Urlauber als Running Gag. Auf der Bühne finden am Ende drei Paare zusammen, im Zuschauerraum idealerweise drei Publikumskreise. (Dagmar Ellen Fischer)

Interpreten

Gabriel Venzago (Leitung)
Toni Burkhardt (Regie)

Termine

Vergangene Termine

Sonntag, 03.11.2019
18:00 Uhr