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20 Jahre Alfred Koerppen Stiftung

Das Musikantentum verlor er niemals aus dem Blick

Alfred Koerppen Stiftung feiert 20. Geburtstag mit Werken ihres Namensgebers, der im Juli 2022 verstorben ist.

vonSören Ingwersen,

Er war kein Revolutionär, keiner, der unter musikalischem Fortschritt das zwanghaft Neue versteht. ­Alfred Koerppen – 1926 in Wiesbaden geboren und ausgebildet am Musischen Gymnasium in Frankfurt, wo er später als Organist und Musiklehrer tätig war – knüpfte nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Kompositionen an die gemäßigte Moderne der Vorkriegsjahre an, ohne sich den neuen avantgardistischen Strömungen zu verschließen. Es bereite ihm Vergnügen, seine Musik „der Sprengkraft verschiedener Idiome auszusetzen“, äußerte er einmal und setzte damit ein Ausrufezeichen hinter die stilistische Vielfalt, die sein über 200 Werke umfassendes ­Œuvre kennzeichnet. Neben Kammermusik-, Orgel- und Orchesterwerken zählen dazu auch rund zwei Dutzend Liedkompositionen, drei Kammeropern sowie Ballett-, Schauspiel- und Filmmusiken. Eindeutiger Schwerpunkt in Koerppens Schaffen ist die Chormusik. Hier reicht das Spektrum vom groß angelegten Oratorium – 1949 wurde das gerade wieder bespielbare Opernhaus Hannover mit der Uraufführung von Koerppens „Der Turmbau zu Babel“ wiedereröffnet – über Messen, Kantaten, Motetten und Madrigalen bis zu sogenannten Chorerzählungen, in denen der Komponist Prosavertonungen mit visuell-theatralischen Elementen verbindet.

Alfred Koerppen Stiftung will Neue Musik fördern

Über 40 Jahre unterrichtete Alfred Koerppen Musiktheo­rie und Gehörbildung in Hannover, von 1958 bis zu seiner Emeritierung 1991 an der Hochschule für Musik und Theater. Im Jahr 2002 gründete er gemeinsam mit seiner Frau, der Geigenprofessorin Barbara Koerppen, die Alfred Koerppen Stiftung mit dem Ziel, junge Komponisten sowie die Aufführung und Einspielung Neuer Musik zu fördern, insbesondere aber das kompositorische Werk des Stiftungsgründers zu pflegen und zu verbreiten. Der vielseitige Komponist, der das traditionelle Musikantentum und damit die allgemeine Zugänglichkeit zu seinen Werken niemals aus den Augen verlor und auch Stücke für Laienmusiker schrieb, verstarb am 5. Juli 2022 im Alter von 95 Jahren. Zur Feier zum 20-jährigen Jubiläum der Stiftung in der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover stehen Koerppens Sonata breve für Klavier, seine Komposition Weit draußen für Akkordeon, hohes und tiefes Melodieinstrument sowie drei Lieder auf dem Programm.

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