Claude Debussy – der Impressionist

Zwischen Klang und Bildern

Der französische Komponist Claude Debussy gilt heute als Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus, dessen Tonsprache die Musik in die Moderne führte

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Seerosen (Nymphéas). Gemälde von Claude Monet, 1915

Seerosen (Nymphéas). Gemälde von Claude Monet, 1915

Sei es der Lippenstift, die Espressomaschine, das Telefon, die Atomuhr oder viele weitere bahnbrechende menschliche Erfindungen – alle zusammen haben eine bestimmte Gemeinsamkeit. Jede dieser Innovationen wurde nämlich auf einer der zahlreichen Weltausstellungen präsentiert, die seit ihrem Aufkommen im 19. Jahrhundert geprägt sind durch die Zurschaustellung technischer und kunsthandwerklicher Leistungen der teilnehmenden Nationen. Dass die legendäre Pariser Weltausstellung von 1889 nicht nur den Bau des Eifelturms mit sich brachte, sondern indirekt auch den Anstoß für eine neue musikalische Entwicklung lieferte, an dessen Spitze sich Claude Debussy setzen sollte, verwundert im Hinblick der zahlreich präsentierten Neuerungen kaum.

Als Debussy nämlich auf dem Ausstellungsgelände erstmals die Musik eines javanischen Gamelan-Ensembles hörte, war er sofort fasziniert. Schienen die Musiker aus Fernost doch beinahe Bilder aus Klängen zu entwerfen – Musik, die äußere Erscheinungen der Umwelt in Klänge versetzte. Für Debussy war schnell klar, dass er diese Ästhetik in seinen Kompositionen adaptieren wollte, eine bloße Kopie dessen was er zu Hören bekommen hatte, kam für ihn jedoch nicht infrage.

Auf dem Weg zur eigenen Klangsprache

Bereits drei Jahre zuvor, so weiß man heute aus den im Jahr 1945 publizierten Memoiren von George Antheil, waren dem jungen Debussy Einblicke in die Manuskripte eines Orchesterwerks von Ernest Fanelli mit dem Namen „Tableaux Symphoniques d’après le Roman de la Momie“ gewährt worden, welches orientalische Einflüsse verarbeitete und erstmals aufgrund seiner außergewöhnlichen Klangfarben bestimmte Atmosphären zu vermitteln versuchte. Dass auch diese Komposition Spuren in Debussys künstlerischen Visionen hinterlassen haben muss, liegt auf der Hand. Auf dem Gelände der Weltausstellung setzte sich das Bild für Debussy schließlich zusammen. Die Idee des musikalischen Impressionismus begann zu reifen.

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Claude Debussy, ca. 1908

Claude Debussy, ca. 1908

In der Folge seiner Eindrücke entwickelte Debussy schließlich eine musikalische Ästhetik, die sich nicht mehr an den Gesetzmäßigkeiten der Wiener Klassik und der Romantik orientierte, sondern einer selbständigen Tonalität folgte. Schnell entstand sein Ruf als Erneuerer der Musik – seine Haltung galt zunehmend als rebellisch. Zusätzlich inspiriert von den Werken russischer Komponisten der Romantik wie Modest Mussorgsky, Alexander Borodin und Nikolai Rimski-Korsakow und unter dem Einfluss von zeitgenössischer Salonmusik und dem aufkeimenden Jazz gelangte Debussy zu einem neuartigen sphärischen Klang fernab der Dur-Moll-Funktionsharmonik, bestehend aus Ganztonleitern und pentatonischen Elementen, in dem harmonische Spannungen keiner Auflösung mehr bedurften. Schnell wurden seine Klangfarben mit der Malerei von Claude Monet und Paul Gauguin in Verbindung gebracht – die Bezeichnung „Impressionismus“, die 1874 von dem Kunstkritiker Louis Leroy zunächst als abschätzig gemeinte Beschreibung für ein Bild Monets entstanden war, wurde übernommen.

Debussy, der Impressionist

Als Schlüsselwerke des Impressionismus gelten heute Debussys Klavierkompositionen „Deux Arabesques“ und die beiden Hefte seiner „Préludes“, die Lyrikvertonung „Prélude à l’après-midi d’un faune“, die Oper „Pelléas et Mélisande“ und das sinfonische Orchesterstück „La Mer“. Sämtliche Werke sind gekennzeichnet von musikalischen Schichtungen, dessen Hauptaspekt nicht auf der Form sondern auf dem Klang liegen. So findet man weder ausgeprägte Motivik, noch thematische Verarbeitungen und kontrapunktische Durchführungen. Vielmehr sind die Kompositionen durch schnelle harmonische Wechsel, und gerade die Orchesterwerke durch eine außergewöhnliche Instrumentierung geprägt, die der Komponistenintention folgen, dem Hörer Atmosphären zu vermitteln, in dessen Zentrum Assoziationen und subjektive Eindrücke stehen.

Debussys musikalischen Vision und die daraus resultierenden Kompositionen prägten die Musikgeschichte schließlich nachhaltig. Heute gilt seine impressionistische Tonsprache als Verbindungslinie zwischen der Romantik und der musikalischen Moderne.

„Deux Arabesques“:

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