Debussy und die Frauen

Ein Mann – ein Genießer

Claude Debussy war nicht nur ein Liebhaber von guter Musik und Manieren, sondern auch guter Gesellschaft. Insbesondere der von Frauen. Teilweise endeten seine Liebschaften allerdings höchst dramatisch

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Claude Debussy, ca. 1908

Claude Debussy, ca. 1908

Im Sommer 1880, mit achtzehn Jahren, erhielt der junge Claude Debussy eine Einladung der russischen Witwe Nadeshda von Meck, die als Mäzenin von Tschaikowsky bekannt ist, den Sommer als Pianist bei ihr in der Schweiz zu verbringen. Geschmeichelt von diesem Angebot, sagte er sofort zu. Zu seinen Hauptaufgaben gehörte, ihren Kindern Klavierunterricht zu geben und selbst zu spielen.

Die darauffolgenden Jahre besuchte Debussy von Meck in Russland. Allerdings endete das Verhältnis freundlich aber unerbittlich, nachdem der junge Pianist um die Hand der fünfzehnjährigen Tochter von Mecks angehalten hatte. Daraufhin konzentrierte sich Debussy zunächst wieder auf seine Karriere und nahm am renommierten Kompositionswettbewerb „Prix de Rome“ teil, den er beim zweiten Anlauf 1884 gewann und für ein dreijähriges Stipendium in die römische Villa Medici einziehen durfte.

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Claude Debussy (Mitte mit weißem Jacket) vor der Viall Medici, 1885

Claude Debussy (Mitte mit weißem Jacket) vor der Viall Medici, 1885

„Über das Verhältnis hat man sich oft gewundert“

Nach zwei Jahren allerdings verließ Debussy die Villa Medici vorzeitig und kehrte nach Paris zurück. Das war für ihn der Anfang zahlreicher Liebesaffären, die letztlich in einer Beziehung mit Gabrielle Dupont endeten. Über Gaby, wie sie genannt wurde, weiß man nicht genau, ob sie Putzfrau oder Verkäuferin in einem Laden war, aber sie war Debussys erste langfristige Beziehung.

Jean Barraque schieb dazu in seiner 1964 erschienen Monographie über den Komponisten: „Über Debussys Verhältnis mit Gaby hat man sich oft gewundert. (…) Aber Debussy scheint in bezug auf seine Partnerinnen weniger wählerisch gewesen zu sein als bei seinen Männerfreundschaften, die er gern auf geistiger Ebene pflegte.“ Die Beziehung endete, als Gaby erfuhr, dass Debussy sie mit einer anderen Frau betrog. Für die junge Gaby Grund genug, zu versuchen, sich das Leben zu nehmen.

Erste Ehejahre

Besagte Frau war Rosalie Textier, genannt Lily, die Debussy kurz nach der Trennung von Gaby heiratete. Auch sie schien vom Stand her nicht so recht zu ihm zu passen, arbeitete sie doch in einer Schneiderei. Da die beiden große Geldsorgen hatten, begann Debussy, Privatunterricht zu geben. Einer seiner Schüler war ab 1901 der junge Raoul Bardac, Sohn eines reichen und prominenten Finanziers. In diesem Rahmen lernte er dessen Mutter Emma kennen, die eine gebildete und sehr musikalische Frau war.

Wann genau das Verhältnis zwischen den beiden begann, ist nicht bekannt. Allerdings weiß man, dass sie im Sommer 1904 gemeinsam auf die Insel Jersey fuhren. Von dort aus schrieb Debussy seiner Frau Lily, dass er die Ehe mit ihr beenden möchte. Aus lauter Verzweiflung schoss sie sich zwei Kugeln in die Brust, überlebte aber.

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Emma Debussy, Druck nach einem Gemälde von Léon Bonnat, 1903

Emma Debussy, Druck nach einem Gemälde von Léon Bonnat, 1903

Claude Debussy: Ein letzter Skandal

Da Debussy Lily weder im Krankenhaus besuchte, noch ihre Krankenhausrechnung beglich, wandten sich viele Freunde von ihm ab. Gleichzeitig resultierte für ihn aus dem Vorfall ein handfester Skandal, da er mittlerweile als eine Person des öffentlichen Lebens galt. Die Scheidungsverfahren der beiden zogen sich noch so lange hin, dass Debussy und Emma erst 1908 heiraten konnten. Die gemeinsame Tochter Claude-Emma, „Chouchou“ genannt, wurde hingegen schon drei Jahre zuvor geboren. Mit Emma sollte Debussy ohne weitere Skandale bis zu seinem Tod 1918 zusammenbleiben.

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