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Zum 200. Geburtstag von Bedřich Smetana

Vater der tschechischen Musik

Nicht nur mit seiner „Moldau“ ritt Bedřich Smetana auf der Welle der tschechischen Nationalbewegung. Geboren wurde der Komponist vor zweihundert Jahren in Ostböhmen.

vonSören Ingwersen,

Ein Asteroid ist nach ihm benannt, und ein Krater des Planeten Merkur. Das Konterfei des tschechischen Komponisten Bedřich Smetana prunkt auf goldenen Gedenkmünzen, und in den Städten Tschechiens gehört es quasi zum guten Ton, überlebensgroße Denkmäler seiner Person zu errichten. Natürlich ist Smetana auch außerhalb seiner Heimat jedem Musikliebhaber ein Begriff. Hier allerdings nimmt man ihn mit seinem Orchesterzyklus „Mein Vaterland“, aus dem die berühmte „Moldau“ stammt, eher als „One-Hit-Wonder“ wahr. Gelegentlich steht noch die Oper „Die verkaufte Braut“ auf den Spielplänen, und in Kammerkonzerten erfreut man sich zuweilen des Streichquartetts „Aus meinem Leben“. Damit ist die klingende Exegese des Smetana-Nachlasses auch schon fast ausgeschöpft.

Diesen Tunnelblick auf sein breites Œuvre mit acht Opern, neun sinfonischen Dichtungen etlichen Klavierkompositionen, Kammermusik, Chor- und Orgelwerken hat der Komponist sich womöglich auch ein wenig selbst zuzuschreiben, denn an seinem Ruf als tschechischer Nationalkomponist par excellence und Erfinder eines typisch tschechischen sinfonischen Musikstils hat er wesentlich selbst mitgefeilt.

Von Friedrich zu Bedřich

Am 2. März 1824 als Sohn eines geigespielenden Bierbrauers im ostböhmischen Litomyšl geboren und auf den Namen Friedrich getauft, zog es Smetana nach dem Abitur nach Prag, wo er nach Jahren der Entbehrung schließlich als Musik- und Klavierlehrer Fuß fasste und 1854 sogar eine „Triumph-Sinfonie“ zur Hochzeit von Kaiser Franz Joseph schrieb und selbst dirigierte. Nach herben Schicksalsschlägen – drei seiner vier Töchter starben in kurzen zeitlichen Abständen – stellte ein Ruf nach Göteborg in Schweden, um dort als Musikdirektor der Philharmonischen Gesellschaft zu arbeiten, einen vielversprechenden Neuanfang in Aussicht. Doch schon nach fünf Jahren – seine Frau Kateřina war inzwischen an Tuberkulose gestorben – kehrte er in seine Heimat zurück.

Vor dem Hintergrund des sogenannten „Oktoberdiploms“, mit dem der Kaiser 1860 die neoabsolutistische Regierungsform aufgab und nationalen Minderheiten die politische und kulturelle Betätigung ermöglichte, schloss Smetana sich der tschechische Nationalbewegung an, ließ seinen Namen in die tschechische Übersetzung Bedřich abändern und lernte die tschechische Sprache. Bis dahin hatte er praktisch nur auf Deutsch kommuniziert. Als Kapellmeister des Interimstheaters, des späteren tschechischen Nationaltheaters, konnte er auf die Entwicklung der tschechischen Musik großen Einfluss nehmen. Doch ab 1870 verschlechterte sich sein gesundheitlicher Zustand. Smetana litt infolge einer Syphilis-Infektion an Hautentzündungen, Kopf- und Zahnschmerzen. Als seine berühmte „Moldau“ zum ersten Mal im Konzert gespielt wird, ist er bereits vollkommen taub, trotzdem komponiert er eifrig weiter – bis er 1884 in der Prager Anstalt für Geisteskranke stirbt.

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