Verdi: La forza del destino

(UA Petersburg 1862)

Drei heftige Schläge – Stille, wieder drei Schläge, dann nimmt das Schicksal unerbittlich seinen Lauf – so beginnt die dramatische Ouvertüre. Mit demselben Motiv (pianissimo) beginnt die erste Szene der Oper.

Leonora di Vargas und Alvaro, ein Inka, wollen fliehen, weil ihre Familie ihn ablehnt. Von ihrem Vater überrascht, wirft Alvaro zum Zeichen seiner Friedfertigkeit seinen Revolver weg, dabei löst sich ein Schuss, der den Marchese tötet. Leonoras Bruder Carlos di Vargas verfolgt beide in blindem Hass. Sie verlieren sich, Leonora sucht Zuflucht in der Eremitage eines Klosters, Alvaro wird Soldat. Ohne einander zu kennen, kämpfen Alvaro und Carlos Seite an Seite und schließen Freundschaft, bis Carlos zwischen Alvaros Briefen ein Bild von Leonora entdeckt. Alvaro sucht Zuflucht in einem Kloster. Carlos spürt ihn auf, reizt ihn und wird tödlich verwundet. Alvaro ruft den Eremiten zu Hilfe – es ist Leonora. Noch im Sterben tötet Carlos seine Schwester. Alvaro hat, ohne es zu wollen, die Familie Vargas ausgelöscht – durch die Macht des Schicksals.

Verdi hatte seit drei Jahren nicht mehr geschrieben, da kam der Auftrag des russischen Zaren: Sechzigtausend Goldfranken und freie Stückwahl – „nur bitte nichts Republikanisches“, mokierte sich Giuseppina. Sie suchte die Wintergarderobe zusammen, orderte Pasta, Rotwein und Champagner; mit Dienern und Dolmetscher reiste man per Bahn – die Fahrt über Paris, Berlin und Warschau dauerte zwei Wochen.

Im Petersburger Orchester spielte – Macht des Schicksals – der Mailänder Klarinettist Ernesto Corollini – für ihn schrieb Verdi ein wunderbares Solo in der Arie des Alvaro.

Da ihm der Zar freie Hand ließ, bevölkerte Verdi die Bühne mit in Italien undenkbaren Figuren: In den Klosterszenen der ehrwürdige Pater Guardian und der dämliche Fra Melitone, der keine Lust hat, das bettelnde Volk zu speisen und dem Suppenkessel einen Tritt verpasst, in den Kriegsszenen die Marketenderin Preziosilla und in ihrem Gefolge Trödler (Trabucco) und Prostituierte.

Aus Schillers „Wallensteins Lager“ lieh sich Verdi die Szene, in der ein Mönch den Soldaten eine Bußpredigt hält und dafür Prügel einsteckt – seit in seiner Kindheit ein Priester Verdi getreten hatte, konnte er diese Spezies nicht leiden.

Preziosilla stimmt – nur von Trommel begleitet  – mit den Soldaten ein aufreizendes und zugleich makabres Kriegslied („Rataplan“) an – sicher dachte Verdi dabei an spätere Aufführungen in Italien, wo die politische Situation kochte.

Die von der Macht des Schicksals getriebenen Hauptpersonen bewegen sich vor dem Panorama der Volksszenen. Diese Oper ist aufwendig – aber der Aufwand lohnt!

(Mathias Husmann)

Im Kino: „La forza del destino“ live aus dem Royal Opera House

Unerbittliches Schicksal

Live im Kino: Verdis opulente Oper „La forza del destino“… weiter

Opern-Kritik: Oper Frankfurt – La forza del destino

Die Macht der Bilder

(Frankfurt, 27.1.2019) Tobias Kratzer inszeniert einen packenden Verdi, mutet den… weiter