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Magazin - Porträt Grigory Sokolov - Authentizität des Affekts

 

Porträt Grigory Sokolov

Authentizität des Affekts


Meisterpianist Grigory Sokolov strebt souverän nach Vollkommenheit


von Peter Krause

© amc

Künstler wie er sind Forscher auf der Suche nach Vollkommenheit: Beseelt von einer Sehnsucht nach immer mehr Tiefe des Ausdrucks und absoluter Erkenntnis der ach so verschiedenen Komponisten. Dazu strebend bemüht, die technische Beherrschung ihres Instruments auf die Spitze des Machbaren zu treiben. Nicht etwa, um den Steinway hernach für den virtuosen Selbstzweck bloß brillanten musikalischen Schauspiels zu missbrauchen, sondern vielmehr, um die eigene Fingerfertigkeit in den Dienst am Werk zu stellen, das sie uns schließlich ganz persönlich verlebendigen möchten. Solch unerbittliches Forschen, dem sich ein Grigory Sokolov verschreibt, kann in Wahnsinn oder Weltflucht enden. Oder es vergräbt sich im einsamen Tüfteln am Detail: Dann wird die Musik verkünstelt und droht sich in ihre Einzelteile aufzulösen.

 

Von solchen Gefahren indes ist bei Grigory Sokolov so gar nichts zu spüren. Der 1950 geborene St. Petersburger, der von seiner stetig wachsenden Fangemeinde und immer mehr Rezensenten längst als größter Meister des Klavierspiels unserer Tage verehrt wird, hat eine Souveränität erreicht, durch die er zwischen den Noten immer wieder ein weises Lächeln hindurchblitzen lässt. So als wolle er sagen: Ja, Vollkommenheit ist zwar gar nicht zu erreichen, aber nahe kommen kann man ihr durch Leichtigkeit und Aufrichtigkeit.

 

Haben viele große Pianisten sich ein eingeschränktes Stammrepertoire als eigene Marke zugelegt, überrascht Sokolov mit seiner Stilgenauigkeit in nahezu allen Epochen. Für sein Recital in der Philharmonie konfrontiert Sokolov nun Brahms mit Rameau und Mozart. Bei Brahms vermittelt er uns eine klassische Katharsis mit den Gefühlswelten der Romantik. Da testet er alle Ausdrucks- und Anschlagsvarianten: vom früh-impressionistischen Glasperlenspiel bis zur lisztschen Monumentalität reicht die Skala der Extreme. Da soll noch mal jemand behaupten, der Hanseat Brahms sei bloß einer akademisch trockenen Formalästhetik verhaftet gewesen: Viel entscheidender als die musikalisch-mathematische Logik ist die bezwingende Authentizität des Affekts.

 

Gespannt darf man auch auf Sokolovs Zugriff auf die Musik von Rameau sein. Denn musikantische Verspieltheit und unbändiger Humor zeichnen sein Barockspiel aus. Die Gewitztheit eines Trillers oder einer punktgenau ausgehaltenen Fermate sind Sokolovs sinnliche Würzungen einer Barock-Interpretation voller Fantasie. Sokolovs Zugriff hier wegen ihrer ausgeprägten Gefühlsdichte romantisch zu nennen, wäre verfehlt. Schließlich harmonisiert Sokolov das Fließen und den erzählerischen Duktus der Musik mit einer absoluten Klarheit der Strukturen und ihrer kontrapunktischen Faktur. Die ist nicht akademisch dürr herausgemeißelt, sondern wird zum Mittel der erregten Klangrede.

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Authentizität des Affekts

Meisterpianist Grigory Sokolov strebt souverän nach Vollkommenheit

von Peter Krause

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TERMIN-TIPP

Donnerstag, 31. Mai 2012, 20:00 Uhr

Schloss Schwetzingen, Rokokotheater, Schwetzingen

Klavierissimo

Grigory Sokolov (Klavier)


CD-TIPP
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