Das Publikum des Jahres 2018: Jurymitglied Holger Wemhoff

„Ich genieße als unbedingter Teil des Publikums“

Die Jury zum Publikum des Jahres 2018 ist prominent besetzt. Vorab beantwortet jedes Jurymitglied einen Fragebogen zum Thema Publikum. Heute: Radio-Moderator Holger Wemhoff

Holger Wemhoff © Jochen Gnauert/Kulturgipfel GmbH

Holger Wemhoff

Was zeichnet für Sie ein besonders gutes Publikum aus?

Holger Wemhoff: Ganz klar: Aufmerksamkeit, Empathie, Neugier, Humor!

Ist es richtig von „dem“ Publikum zu sprechen oder gibt es Unterschiede?

Wemhoff: Es gibt „ein“ Publikum pro Event oder Konzert mit unterschiedlichen Individuen, die bei diesem launigen Beisammensein ein hoffentlich glückliches Kollektiv bilden.

Wie sehr ist der Erfolg eines Konzerts vom Publikum abhängig?

Wemhoff: Meiner Meinung nach maßgeblich! Das Publikum trägt den Künstler auf Händen oder lässt ihn gnadenlos fallen. Ich kenne eigentlich niemanden, keinen Künstler, der sich der Stimmung des Publikums gänzlich entziehen kann.

Welches Erlebnis ist Ihnen besonders mit einem bestimmten Publikum in Erinnerung geblieben?

Wemhoff: Ich liebe das italienische Opernpublikum! Da gibt es keine falsche Scham und keine unterdrückten Gefühle. Es geht dort um „passione“, und zwar nicht nur auf der Bühne. Ich vergesse nie eine „Turandot“-Aufführung bei den Puccini-Festspielen in Torre del Lago, als das Publikum den Dirigenten lautstark zu mehr Tempo angeheizt hat: „AVANTI MAESTRO! AVANTI!!!“ And yes, this poor guy was really a lame duck!

Ärgern Sie sich auch manchmal über das Publikum?

Wemhoff: In der Tat! Was mich am meisten nervt, sind diese sogenannten „stargespickten“ Konzerte, vor allem in der Oper, wo viele Menschen nur dem Namen eines berühmten Künstlers zujubeln, egal wie die Leistung dieses sogenannten „Stars“ an diesem Abend war. Hochgejubelte „Gurus“ in der klassischen Musikszene sind mir eh suspekt…

Worauf wollen Sie als Jurymitglied bei der Bewertung eines Publikums achten?

Wemhoff: Ich erwarte einfach ein aufmerksames, empathisches Publikum, dass sich mit seinem Orchester, seinem Theater oder seinem Opernhaus durchaus identifiziert, aber gerade eben aus dieser Identifikation heraus seine Begeisterung und eben auch Kritikfähigkeit behält.

Was müsste ein Publikum tun, damit Sie bestechlich in ihrer Entscheidung werden?

Wemhoff: Eine höchst unmoralische Frage!

Wenn Sie selbst im Publikum sitzen, genießen Sie als Teil des Publikums oder fühlen Sie sich heimlich als „Externer“?

Wemhoff: Ich genieße als unbedingter Teil des Publikums – und als vielleicht sogar manchmal zu engagierter Teil!

Das „Publikum“ eines Radiomoderators sind seine Hörer. Gibt es da Ähnlichkeiten zu einem Konzertpublikum?

Wemhoff: Eigentlich weniger. Das Erlebnis eines Konzertes entsteht durch das unmittelbare Dabeisein im Kollektiv, der Radiohörer ist meist für sich und in einer damit ganz anderen, ungleich privateren „Hör-Situation“.

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