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Bachfest Leipzig 2024

Kantaten und ein Himmel voller Geigen

Das Bachfest Leipzig feiert unter dem Motto „CHORal Total“ seinen Namensgeber und sein 25. Jubiläum.

vonChristian Schmidt,

Professor Michael Maul mag es deftig. Gern bemüht der Chef des Leipziger Bach-Archivs den Begriff „Bachbekloppte“ – für sein Publikum, aber natürlich auch für sich selbst. Dabei hat der sympathisch enthusiasmierte Intendant des seit 25 Jahren veranstalteten Bachfest Leipzig das Privileg, sich alljährlich Leidensgenossen aus aller Welt nach Leipzig einladen zu können. Hier kredenzte der große, aber komplizierte Thomaskantor vor dreihundert Jahren seinem durchaus kritischen zeitgenössischen Publikum endlich etwas zum Mitsingen: 66 Kantaten mit Chorälen auf Grundlage bekannter Kirchenlieder aus dem Evangelischen Gesangbuch seines Kollegen Martin Luther. Das wiederum wird übrigens ein halbes Jahrtausend alt, denn es erschien anno 1524 erstmalig in Wittenberg.

Residenzkünstlerin beim Bachfest Leipzig: Geigerin Chouchane Siranossian
Residenzkünstlerin beim Bachfest Leipzig: Geigerin Chouchane Siranossian

Bachchöre aus aller Welt beim Bachfest Leipzig

All jene Choralkantaten bilden nun im diesjährigen Festivaljahrgang das Rückgrat des 160 Konzerte umfassenden Programms, das unter dem etwas sperrigen Titel „CHORal Total“ dreißig Bachchöre aus aller Welt präsentiert, um quasi enzyklopädisch diesen zugegeben immer noch kleinen Teil des Gesamtwerks zu zelebrieren. Dabei sollen auch die Grenzen zwischen aktiven Musikern und passivem Publikum verschwimmen, das in die Schlusschoräle – wie zu Bachs Zeiten üblich – einstimmen darf. Das Protestanten-Gen macht’s möglich, dass Bachianer – anders als die Fans anderer Komponisten – selbstbewusste Gemeindesänger sind.

Freilich dreht sich im Uraufführungsjahr auch alles um die 1724 in Leipzig uraufgeführte Johannes-Passion: Es gibt sie in kleiner Originalbesetzung, szenisch umgesetzt und nicht zuletzt als Open-Air-Veranstaltung, barrierefrei und in Gebärdensprache. Auch andere Großwerke des Meisters mit erstklassigen Ensembles dürfen nicht fehlen: So kommt etwa Philippe Herreweghe mit der h-Moll-Messe, Václav Luks steuert die Matthäus-Passion bei. Den Gegenschwerpunkt bildet Bachs reiches Violinenwerk mit Größen wie Residenzkünstlerin Chouchane Siranossian, Isabelle Faust oder Leonidas Kavakos. Der Himmel über Leipzig hängt voller Geigen!

Eine Drittel der Konzerte bei freiem Eintritt

Dazu gibt es Konzert- und Orgelfahrten, Vorträge, Gesprächskonzerte und die unvermeidliche Crossover-Bühne auf dem Markt. Immerhin ein Drittel der Aufführungen ist kostenfrei – in einer klammen Stadt, deren Authentizität sie aber vor allem für weither angereiste Musiktouristen zum Sehnsuchtsort macht. Hier kann man Musikgeschichte anfassen, vergegenständlicht sich das Abstrakte. Und das Schönste, was dabei passieren kann, ist doch, wenn unter den gestrengen Augen des Meisters alle seine „Bekloppten“ mit ihrem Enthusiasmus noch viele weitere infizieren.

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