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her:voice 2026

Ihre Stimmen verdienen unser Gehör

Das Festival „her:voice“ empfiehlt zahlreiche Werke von Komponistinnen für die überfällige Aufnahme in den Klassik-Kanon.

vonBenjamin Elsholz,

Wenn bei einem Festival mehrheitlich die Musik von Frauen erklingt, ist das nicht Normalfall, sondern Konzept. In Essen rückt „her:voice“ bei seiner dritten Ausgabe das musikalische Schaffen von Komponistinnen in den Mittelpunkt. Im Eröffnungskonzert mit den Essener Philharmonikern erklingen Werke von drei der insgesamt vier diesjährigen Porträtkomponistinnen: Das Cellokonzert der gebürtigen Kölnerin Maria Herz interpretiert Raphaela Gromes, die sich seit vielen Jahren für die Kompositionen von Frauen engagiert. Herz war unter männlichem Pseudonym erfolgreich, bevor sie durch den nationalsozialistischen Terror ins Exil gezwungen wurde. Ebenfalls auf dem Programm steht die Rhapsodie „The Magic Harp“ von Ina Boyle, die als erste Frau mit dem renommierten Carnegie Award ausgezeichnet wurde. Eine Pionierin ist auch Louise Farrenc, deren Zweite Sinfonie erklingt. Farrenc wurde 1842 die erste Professorin am Pariser Konservatorium, wo sie für über 30 Jahre Klavier unterrichtete.

Komponistin und Organistin im 19. Jahrhundert: Elfrida Andrée

An einem anderen Tasteninstrument waren Frauen über Jahrhunderte noch seltener vertreten – ausgerechnet an der „Königin der Instrumente“, der Orgel. Der Schwedin Elfrida Andrée wurde im 19. Jahrhundert zunächst sogar verwehrt, als Organistin zu arbeiten. Ihre Zweite Orgelsinfonie steht nun im Zentrum einer Orgelgala, die Mari Fukumoto in der Philharmonie Essen gemeinsam mit Folkwang Brass gestaltet. Andrées „Fritjof Saga“, ihre einzige Oper, erlebte erst kürzlich im Aalto-Theater ihre szenische Uraufführung und ist ebenfalls im Rahmen von „her:voice“ zu erleben. Gesprächsrunden, Workshops und Vorträge ergänzen das Festivalprogramm, das Lust darauf macht, Werke von Komponistinnen künftig in jedem Konzert zu hören – ganz ohne explizites Konzept.

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