Niedersächsische Musik- und Literaturtage "Aufm Platz"

Vom Lotterieagenten bis zum Slam-Poeten

Beim „Festival aufm Platz“ werden Killerinstinkte geweckt.

© Pixabay

Am 27. September macht das „Festival aufm Platz“ Station im Schloss Celle, wo Dörte Lyssewski aus Raymond Queneaus Stilübungen liest

Am 27. September macht das „Festival aufm Platz“ Station im Schloss Celle, wo Dörte Lyssewski aus Raymond Queneaus Stilübungen liest

Hinterlistig hat Kurt Weill die kapitalistische Frage in Töne gesetzt: „Was zahlen Sie für einen Rat, wie man sein Geld anlegt mit Nutzen?“ Dies Lied des Lotterieagenten darf nicht fehlen auf dem famosen Album „Killer Instincts“ von Sarah Maria Sun. Die Sopranistin ist eine der großen Interpretinnen der Neuen Musik. Unbekümmert um Genregrenzen, covert sie hier Songs aus Klassik, Musical, Pop und Rock, unter anderem von Leonard Bernstein, Randy New­man oder eben Kurt Weill. Die Sängerin rechnet ab mit Narzissten und Manipulatoren, die allerorten ihr Unwesen treiben.

Das verspricht ein schräges Vergnügen beim Auftakt-­Wochenende der „Festivals aufm Platz“, erleben die „Killer Instincts“ doch dort ihre Live-Premiere. Neben der Stimmkünstlerin sowie den Musikern Jan Philip Schulze und Hubert Steiner ist Schauspieler Silvester von Hößlin am Start. Mit Texten, etwa von Patricia Highsmith, taucht er ein in die Welt der Fieslinge.

Coronazeit-Alternative

Bei den „Festivals aufm Platz“ handelt es sich um die kreative Coronazeit-Variante der Niedersächsischen Musiktage und des Literaturfestes Niedersachsen. Im September gehen sie gemeinsam auf Tour und bespielen an vier Wochenenden 18 malerische Plätze im ganzen Bundesland, jedes Wochenende mit einem anderen Programm. Möglich gemacht durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die VGH Stiftung, gibt es hoch­karätige Veranstaltungen unter Wahrung der gebotenen Sicherheitsregeln. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung im Vorfeld ist jedoch erforderlich.

Nach dem Auftakt kommen weitere exzellente Künstler. So etwa Schauspieler Johann von Bülow und das österreichische Duo BartolomeyBittmann, das mit seiner Musik schon Nikolaus Harnoncourt genauso beeindruckt hat wie den Jazz-Gitarristen Wolfgang Muthspiel. Eine Woche später treten Klarinettist Kinan Azmeh und Jazz-Pianist Florian Weber in einen Dialog mit dem Slam-Poeten Bas Böttcher. Die abschließenden Events gestaltet der fabelhafte Schlagwerker Christoph Sietzen zusammen mit Burgschauspielerin Dörte Lyssewski, die aus den legendären Stilübungen des Schriftstellers Raymond Queneau liest. Eine Alltagsepisode wird in zahlreichen Varianten erzählt – ein geistreicher Spaß.

Celler Schloss

Niedersächsische Musiktage

04. bis 27. September 2020

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