Lieblingsstück Christian Poltéra

Schubert: Streichquintett C-Dur

Der schweizer Cellist Christian Poltéra ist fasziniert von der gespenstischen Entstehungsgeschichte von Schuberts Streichquintett C-Dur.

© Neda Navaee

Christian Poltéra

Christian Poltéra

Es gibt so viele unglaublich tolle Werke, aber Schuberts Streichquintett C-Dur gebührt eine Sonderstellung. Schon die Entstehungsgeschichte ist spannend: Schubert war in den letzten Wochen vor seinem Tod geradezu fieberhaft produktiv, das Quintett ist in dieser Zeit entstanden, gleichzeitig mit anderen wichtigen Werken, etwa seinen letzten drei großen Klaviersonaten. Dass er kurz vor seinem Tod noch die Energie fand, solch monumentale Werke zu Papier zu bringen, wirkt aus heutiger Sicht fast schon gespenstisch. Zu Lebzeiten hat er sein eigenes Quintett nie gehört, es wurde weder aufgeführt noch gedruckt.

„Diese Musik in Worte zu fassen ist kaum möglich“

Auch die Besetzung des Quintetts ist ungewöhnlich. Ein Streichquartett wurde und wird häufig durch ein Klavier oder eine zweite Viola ergänzt, Schubert verstärkt das tiefe Register aber durch ein zweites Cello. Dies verleiht dem Gesamtklang ein besonders ausgeprägtes Fundament. Es ist stets eine besondere Freude, zu einem bestehenden, aufeinander eingespielten Streichquartett als Gast am zweiten Cello dazu zu stoßen. Jedes Ensemble hat seine eigene klangliche und stilistische Identität, Herangehens- und Arbeitsweise. Somit begibt man sich als Gastcellist jedes Mal auf eine neue Reise.

Sinfonisch muten die Ausmaße des Werks – und der einzelnen Sätze – an. Knapp zwanzig Minuten Spieldauer alleine für den Kopfsatz sprengten damals übliche Dimensionen. Die Ausgangstonart C-Dur schwankt immer wieder nach Moll, sodass ein Wechselbad von unbeschwert fröhlichen und tieftraurigen Emotionen entsteht. Letztlich muss man das Stück hören, erleben, und auf sich wirken lassen, denn diese Musik in Worte zu fassen ist kaum möglich.

Termine

Donnerstag, 06.02.2020 20:00 Uhr Volkshaus Jena

Christian Poltéra, Jenaer Philharmonie, Jonathon Heyward

Saariaho: Ciel d’hiver, Prokofjew:
Sinfonisches Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 125, Sibelius: Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105

Freitag, 07.02.2020 19:30 Uhr Stadthalle Germering
Mittwoch, 12.02.2020 20:00 Uhr Philharmonie Mercatorhalle Duisburg

Christian Poltéra, Duisburger Philharmoniker, Benjamin Shwartz

Dvořák: Die Waldtaube op. 110, Schumann: Cellokonzert a-Moll op. 129, Dvořák: Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Donnerstag, 13.02.2020 20:00 Uhr Philharmonie Mercatorhalle Duisburg

Christian Poltéra, Duisburger Philharmoniker, Benjamin Shwartz

Dvořák: Die Waldtaube op. 110, Schumann: Cellokonzert a-Moll op. 129, Dvořák: Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Freitag, 21.02.2020 19:30 Uhr Orangerie Herrenhausen Hannover

Sharon Kam, Liza Ferschtmann, Christian Poltéra, Enrico Pace

Schulhoff: Duo für Violine und Violoncello, Bartók: Kontraste SZ 111, Messiaen: Quatuor pour la fin du temps

Samstag, 04.04.2020 20:00 Uhr Schloss Neubeuern

Christian Poltéra, Oliver Triendl

Beethoven: Cellosonate D-Dur op. 102/2, Moscheles: Cellosonate E-Dur op. 121, Chopin: Cellosonate g-Moll op. 65

Donnerstag, 30.04.2020 20:00 Uhr Tonhalle Düsseldorf

Isabelle Faust & Anne Katharina Schreiber, Antoine Tamestit & Danusha Waskiewicz, Jean-Guihen Queyras & Christian Poltéra

Webern: Fünf Sätze für Streichquartett op. 5, Beethoven: Streichquintett c moll op. 104, Schönberg: Verklärte Nacht d moll

Samstag, 09.05.2020 20:00 Uhr Beethoven-Haus Bonn

Martin Stadtfeld, Baiba Skride, Christian Poltéra

My Beethoven: Skizzen, Ruinen, Meisterwerke

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Rezensionen

CD-REZENSION CHRISTIAN POLTÉRA

Schweizer Dreierpack

Allein die ergreifend schöne Passacaglia im Cellokonzert von Frank Martin (1965) lohnt die Anschaffung; das filigrane, transparente Orchesterkolorit und die entfernten Jazzanklänge machen dieses Stück vollends unwiderstehlich. Auf gleicher Höhe bewegt sich Honeggers nobles, angelsächsisch angehauchtes Konzert (1929); nicht zufällig… weiter

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