Interview Miroslav Nemec

„Ich habe großen Respekt vor der hochkonzentrierten Arbeit der Musiker“

Im November ermittelt Schauspieler Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic im Münchner „Tatort“ innerhalb des Münchner Rundfunkorchesters.

© Katrin Nemec

Miroslav Nemec

Miroslav Nemec

Sie haben am Mozarteum in Salzburg Musik mit Schwerpunkt klassisches Klavier studiert und sind Fachlehrer für Musik. Wie häufig spielen Sie heute noch?

Miroslav Nemec: Momentan sitze ich oft am Klavier. Gerade vor diesem Gespräch habe ich „Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau’n“ gespielt. Zurzeit bereite ich meine Solo-Programme vor, zudem bin ich der genau hinhörende Klavierlehrer meiner neunjährigen Tochter (lacht). Leider mache ich immer weniger klassische Musik, dafür fehlt mir einfach die Zeit. Auf der Bühne begleite ich außerdem meine gelesene und erzählte Biografie „Miroslav – Jugoslav“ musikalisch mit Gitarre und Klavier.

Wo liegt der Ursprung für Ihr musikalisches Interesse?

Nemec: In meiner frühen Kindheit wurde bei uns Zuhause in Ex-Jugoslawien viel gesungen. Wir hatten weder Radio noch Fernseher, also wurde gesungen. Mein Onkel hatte zwar eine Hawaii-Gitarre als Begleitinstrument, aber wir haben dennoch viel a cappella gesungen. Diese Lieder sind mir natürlich im Kopf geblieben. Später im Kindergarten in Freilassing hatten wir eine Schwester als Betreuerin, die uns auf einer Tischmelodika Lieder vorgespielt hat. Irgendwann habe ich mich an das Instrument gesetzt und die Lieder nachgespielt. Daraufhin sagte sie meiner Großmutter, der Junge ist begabt, der sollte Klavierunterricht nehmen. Da war ich fünf Jahre alt. Die Klavierlehrerin meinte, dass ich noch zu jung sei, hat sich dann aber überreden lassen, mit mir ein paar Gehörübungen zu machen und mich schließlich doch genommen. Sie war sehr streng. Ich musste immer alles dreimal fehlerfrei hintereinander spielen. Später am Theater habe ich diese Strategie auch für das Textlernen angewandt.

In der kommenden Münchner Tatortfolge „Dreams“ ermitteln Sie in Ihrer Rolle als Ivo Batic innerhalb des Münchner Rundfunkorchesters. Welche Eindrücke konnten Sie während der Dreharbeiten von dem Orchesteralltag gewinnen?

Nemec: Da bei einem Filmdreh ja immer in Sequenzen gearbeitet wird, bekommt man von dem musikalischen großen Ganzen im Vergleich zu einem Konzerterlebnis recht wenig mit. Allerdings habe ich mal an der Frankfurter Oper im „Sommernachtstraum“ von Benjamin Britten mitgewirkt. Mit dem Programm waren wir später zwei Wochen in Tel Aviv, wo ich den Orchesteralltag von der ersten Hauptprobe bis hin zur Premiere, aber auch die privaten Momente mit den Musikern hautnah erleben konnte. Bei den Sitzproben ging mir immer ordentlich die Muffe, weil ich auf meinen Einsatz konzentriert war. Ich habe jedenfalls sehr großen Respekt vor der hochkonzentrierten Arbeit der Musiker.

Wie unterscheidet sich der Musikgeschmack von Kommissar Ivo Batic und Ihnen als Privatperson?

Nemec: Eigentlich haben wir den Batic nie musikalisch definiert. In der Folge „Freies Land“ hört er Balkan-Rock. Die Musik, die dort zu hören ist, habe ich selber mit meiner Band eingespielt, und weil ich da die Urheberrechte habe, haben wir das genommen (lacht). In einer Szene fahren wir mit dieser Musik im Auto, und der Leitmayr schaltet dann immer auf Jimi Hendrix um. Der Nemec-Geschmack hingegen ist unglaublich breitgefächert. Von Jimi Hendrix und Frank Zappa über Lucio Dalla, Jacques Brel, Sting, Pablo Casals bis zu Friedrich Gulda und Strawinsky habe ich eine ganze Bandbreite an Musikern und Musik, die ich liebe. Dazu kommen kroatische A cappella-Gesänge. Aber auch Madrigale. Ich höre allerdings Musik nie nebenbei. Wenn ich höre, mache ich das ganz gezielt und bewusst. Wenn, dann ordentlich!

TV-Tipp:

So. 7.11.2021, 20:15
Tatort „Dreams“
Regie: Boris Kunz
Drehbuch: Moritz Binder, Johanna Thalmann
Das Erste

CD-Tipp

Soundtrack: Tatort „Dreams“

Münchner Rundfunkorchester, Andreas Kowalewitz (Leirtung)
BR Klassik

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