Radio-Tipp 7.4.: Sacre du Printemps auf ARD-Alpha

Barbarisch unkultiviert

In der Serie „Meisterwerke der klassischen Musik“ liegt der Fokus auf Strawinskys „Le Sacre du printemps“. Die Uraufführung 1913 gilt bis heute als größter Skandal der Musikgeschichte.

© gemeinfrei

Bühnenbildentwurf von Nicholas Roerich für das Ballets Russes, ca. 1911-1913

Bühnenbildentwurf von Nicholas Roerich für das Ballets Russes, ca. 1911-1913

27 Verletzte registrierte die Polizei am Ende der Uraufführung von Strawinskys „Le Sacre du printemps“. Gelächter, Tumult und Zwischenrufe gab es schon ab den ersten Takten der Eröffnungsmusik. Am 29. Mai 1913 wurde das Ballett im prunkvollen Théâtre des Champs-Élysées in Paris uraufgeführt. Der Abend geriet zum Desaster, nur der Ruhe des Dirigenten Pierre Monteux war es zu verdanken, dass das Stück zu Ende gespielt wurde, obwohl man vor lauter Lärm die Musik kaum hören konnte. Dabei hatte das Publikum die vorangegangenen Ballette von Strawinsky, „Feuervogel“ und „Petruschka“, gut aufgenommen. Die Tänzer aus Djagilews Ballets Russes waren berühmt und begeisterten das Publikum, das spätestens seit der Weltausstellung an orientalische und exotische Stoffe gewöhnt war.

Erwartungen vergrößern die Fallhöhe

Man hatte sich Strawinskys neuestes Ballett anders vorgestellt, sinnlicher und eleganter. In „Le Sacre du Printemps“ geht es aber nicht elegant, sondern archaisch zu. Beschrieben wird ein Frühlingsopfer. Um die Götter mild zu stimmen und für eine gute Ernte zu sorgen, treffen sich die Angehörigen mehrerer Stämme. Nach gemeinsamen Tänzen in verschiedenen Gruppierungen wird ein junges Mädchen auserwählt, das sich zu Tode tanzt.

Archaische Riten – archaische Kostüme

So archaisch diese Riten anmuten, so altertümlich legte auch Vaslav Nijinsky seine Choreografie an. Die Tänzer stampften und bewegten sich ungelenk zu Strawinskys malmenden Rhythmen, die sich gegeneinander verlagern und auftürmen. Bühnen- und Kostümbildner Nicholas Roerich entwarf dazu primitive, grobe Kostüme, die komplett die Beine der Tänzer verdeckten, sowie ein aufs Nötigste reduziertes Bühnenbild. Kritiker nannten das Stück barbarisch, hässlich und unkultiviert, wobei die Choreografie und die Kostüme vermutlich einen großen Teil zur Ablehnung durch das Publikum beitrugen. Denn schon im darauffolgenden Jahr wurde „Sacre“ in einer konzertanten Aufführung ein voller Triumph. Für Strawinsky hatte der Skandal um die Uraufführung dennoch etwas Gutes, machte er ihn doch endgültig berühmt. Seither gilt „Le Sacre du printemps“ zurecht als epochales Werk. Als ebensolches bekommt es nun einen Platz in der Serie „Meisterwerke der klassischen Musik“ (ARD-alpha), in der wöchentlich Musik-Highlights beleuchtet werden.

concerti-Tipp:

Meisterwerke der klassischen Musik: Igor Strawinskys Le Sacre du Printemps
ARD-alpha
So. 7.4., 21:05 Uhr

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