ROH im Kino: Tschaikowskys „Pique Dame“

Von Passion und Wahn

Pjotr Iljitsch Tschaikowskys düstere Oper „Pique Dame“ live aus dem Royal Opera House.

Pique Dame/Roayl Oper House (hier: identische Inszenierung der Nationaloper Amsterdam) © Karl und Monika Forster

Szenenbild aus "Pique Dame"

Liebe und Wahn, Passion und deren Abgründe: Mit diesen Worten lässt sich Pjotr Iljitsch Tschaikowskys vorletzte Opernkomposition „Pique Dame“ am besten beschreiben. Die Oper erzählt von einem verliebten Mann, der fatale Entscheidungen trifft und damit vom Weg der glücklichen Zweisamkeit abkommt. Für diese dramatische Abwandlung der zugrundeliegenden Kurzgeschichte von Alexander Puschkin sorgte der kleine Bruder des Komponisten, Modest Tschaikowsky. Die düstere Umzeichnung der Charaktere, die Verdichtung durch einen neuen Kontrahenten sowie die ins Tödliche umgepolte Endung erdachte sich Modest ursprünglich 1887 für eine Komposition von Nikolai S. Klenowski. Aufgrund eines trennenden Streits oblag es schließlich seinem großen Bruder, das Werk eines seiner liebsten Schriftsteller zu vertonen.

Im Dezember 1890 feierte die dreiaktige Oper um den verliebten Offizier Hermann, die geheimnisvolle Gräfin Pique Dame und deren unschuldige Enkelin Lisa in St. Petersburg seine Premiere. In einem Casino des späten 18. Jahrhunderts verfällt Hermann der bereits verlobten Lisa und schafft es, ihr Interesse zu erhaschen. Gleichsam wächst sein Interesse am Erfolgsgeheimnis ihrer Großmutter, wie sie jedes Kartenspiel gewinnt. Je tiefer er in den Strudel um des Rätsels Lösung gerät, desto tiefer werden Lisas Gefühle ihm gegenüber. Seine Besessenheit verletzt sie so tief, dass sie den Freitod wählt. Der junge Offizier folgt ihr wenig später. Trotz der Entdeckung von Pique Dames Geheimnis begeht er beim Spielen einen Fehler und ersticht sich aus dem Wahnsinn heraus selbst.

„Pique Dame“ mit Tschaikowsky als rahmengebende Figur

Dieser finsteren Geschichte nahm sich der norwegische Opernregisseur Stefan Herheim 2016 an und inszenierte Tschaikowskys „Pique Dame“ an der Nationalen Oper Amsterdam. In die Entstehungszeit des Werkes versetzend fügt Herheim dem bereits dramatischen Plot eine noch tiefere Bedeutungsebene hinzu: Pjotr Iljitsch Tschaikowsky taucht selbst als rahmengebende Figur auf. Der Schaffensprozess innerhalb seines ebenso düster angehauchten Gefühlslebens wird durch die simultan entstehende Oper verbildlicht und unterstützt die werkgeschichtliche Note des Regisseurs.

Die Londoner Adaption jener Inszenierung wird am 22. Januar mit Aleksandrs Antonenko und Eva-Maria Westbroek im Kino zu sehen sein und folgt damit einer mehr als zehnjährigen Tradition der Live-Übertragungen des Royal Opera House.

Sehen Sie den Trailer zu Tschaikowskys „Pique Dame“:

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