TV-Tipp 2.9.: Mariss Jansons dirigiert die Alpensinfonie

Musik vom Berg

Wer hören und sehen will, wie ein Unwetter orchestral erzeugt wird, der kann am Sonntag BR-Klassik einschalten. Dann entfesselt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks von der Konzertbühne aus die Naturgewalten

Symbolbild zur "Alpensinfonie" von Richard Strauss: Unwetter in den Alpen © eberhard grossgasteiger/gemeinfrei

Symbolbild zur "Alpensinfonie" von Richard Strauss: Unwetter in den Alpen

In seiner Villa in Garmisch, in unmittelbarer Nähe zum höchsten Berg des Landes, genoss Richard Strauss ab 1908 die Frühlings- und Sommermonate. Sein Refugium, an dem er sich von seinen Tätigkeiten als Dirigent erholte und Zeit zum Komponieren fand, inspirierte ihn aber nicht zu seiner Alpensinfonie. Dieser großangelegten Programmmusik liegt ein persönliches Erlebnis aus Strauss’ Jugend zu Grunde: Im Sommer des Jahres 1879, als er fünfzehn Jahre alt war, verlief er sich auf dem Heimgarten am Walchensee und geriet in ein Gewitter.

Der mühsame Weg zur Alpensinfonie

Obwohl ihm direkt Ideen zur musikalischen Umsetzung einer Bergbesteigung kamen, reifte das Konzept erst um die Jahrhundertwende aus, blieb dann erneut liegen und kam 1915 in Berlin zur Uraufführung. Auf dem langen Weg dorthin war die Partitur des Werkes, das eigentlich als erster Satz einer Sinfonie über den leidenschaftlichen Bergsteiger und Maler Karl Stauffer-Bern geplant war, immer weiter angewachsen. Vor allem für die Besetzung hatte Strauss mehr als großzügige Entscheidungen getroffen und verlangte ein exorbitantes Orchester von knapp 130 Musikern.

Inhaltlich ist ein Bogen gespannt: Es ist Nacht und die Sonne geht auf, die Wanderung beginnt, führt zu einem Wasserfall, auf eine Alm bis hinauf zum Gipfel, dann schlägt auf dem Abstieg das Wetter um und wird zur existenziellen Bedrohung. Schließlich beruhigt sich alles und die Musik klingt aus, es wird Nacht.

Monumental, aber nicht plump!

Ein Konzertmitschnitt aus der Philharmonie im Gasteig, der am Sonntag ab 10:15 Uhr auf BR-Klassik zu sehen ist, präsentiert eine Interpretation des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons. Besonders gefordert ist der Klangkörper bei der Schilderung des Ausblicks vom Gipfel, den Strauss als einen Moment der fundamental erschütternden und befreienden Erkenntnis des Transzendenten schildert. Ohne Zweifel zählt diese Musik zu den größten Leistungen des Komponisten.

Abenteuerlich wird dann die Ausgestaltung des Unwetters, bei dem eine Windmaschine und die Orgel zum Einsatz kommen. Die schiere Größe des Orchesters ist, nicht nur an dieser Stelle, ein Spektakel für die Augen. Strauss weiß seine Mittel aber so einzusetzen, dass sie nicht einfach plump überrumpeln. Ein hochemotionales Werk!

Hier eine Aufführung der Alpensinfonie durch das hr-Sinfonieorchester unter Andrés Orozco-Estrada:

concerti-Tipp:

Mariss Jansons dirigiert die Alpensinfonie
So. 2.9., 10:15 Uhr
BR-Klassik

Termine

Sonntag, 30.12.2018 20:00 Uhr Residenz München

Benefizkonzert

Seong-Jin Cho (Klavier), Symphonieorchester des BR, Mariss Jansons (Leitung)

Donnerstag, 17.01.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Jewgenij Kissin, Berliner Philharmoniker, Mariss Jansons

R. Strauss: Also sprach Zarathustra op. 30, Liszt: Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur, Wagner: Ouvertüre zu „Rienzi, der Letzte der Tribunen“
Freitag, 18.01.2019 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Jewgenij Kissin, Berliner Philharmoniker, Mariss Jansons

R. Strauss: Also sprach Zarathustra op. 30, Liszt: Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur, Wagner: Ouvertüre zu „Rienzi, der Letzte der Tribunen“
Samstag, 19.01.2019 19:00 Uhr Philharmonie Berlin

Jewgenij Kissin, Berliner Philharmoniker, Mariss Jansons

R. Strauss: Also sprach Zarathustra op. 30, Liszt: Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur, Wagner: Ouvertüre zu „Rienzi, der Letzte der Tribunen“
Donnerstag, 24.01.2019 20:00 Uhr Residenz München

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