Premiere: Der goldene Drache

Was macht der Zahn in der Thai-Suppe?

Peter Eötvös’ Oper „Der goldene Drache“ ist eine bitterböse Groteske über soziales Elend.

© Marco Borggreve/hr

Peter Eötvös

Peter Eötvös

Schon mit fünf Jahren wusste Peter Eötvös, dass er Komponist ist. Längst zählt er zu den meistgespielten Musikdramatikern und erfolgreichsten Opernkomponisten unserer Zeit. Er begreift Musik als intensive Kommunikation zwischen Komponist, Interpret und Publikum. „Ich setze alles in Musik um, was ich erlebe, was ich lese“, erzählt er. Dabei kommt auch oft sein Sinn für Satire durch, gerne mit ironischen Einblicken in den Konzert- und Opernbetrieb. „Humor ist in allen meinen Kompositionen präsent. Dies ist eine bestimmte Art der Weltsicht, ein besonderer Blick auf das Leben“, betont Eötvös. Einigermaßen absurd mutet auch die Geschichte an, die er in seinem Musiktheater „Der goldene Drache“ erzählt. Dort wird der gleichnamige Asia-Imbiss zum Schauplatz 22 verschiedener Momentaufnahmen aus dem Leben von Einheimischen und Immigranten. So manches soziale Elend und einige gesellschaftliche Abgründe kommen hier zum Vorschein.

Alles beginnt in der Küche mit einem jungen, illegal angestellten Chinesen, der unter fürchterlichen Zahnschmerzen leidet. Seine Kollegen machen kurzen Prozess und befreien ihn an Ort und Stelle von seinen Qualen mittels einer Rohrzange. Dumm nur, dass der Zahn mitten in der Thai-Suppe landet, die gerade der Stewardess Inga serviert wird. Unterdessen zerstreitet sich eine Schwangere mit ihrem Freund und eine junge Chinesin wird zur Prostitution gezwungen. Das Schicksal des Küchengehilfen scheint währenddessen besiegelt.

Die Ameise zwingt die Grille zu Arbeit und Prostitution

Und dann ist da noch die Geschichte von der Grille, die keine Vorräte für den Winter angelegt hat und die Ameise bittet, sie solange durchzufüttern. Zwar stimmt diese zu, zwingt sie aber erst zu kostenloser Arbeit und dann zur Prostitution. Die Grille erträgt ihr Schicksal, bis ihr von einer alten Ameise ein Fühler ausgerissen wird und sie dann von einer jungen Ameise schwer verletzt wird. Was als schräge Komödie beginnt, verwandelt sich bald in eine bitterböse Groteske. Die Oper entstand für das Frankfurter Ensemble Modern, das seit seiner Gründung 1980 zu den führenden Ensembles für Neue Musik zählt, und basiert auf dem gleichnamigen Schauspiel von Roland Schimmelpfennig, das 2009 in Wien uraufgeführt wurde.

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