Startseite » Porträts » Frauenpower

ECHO Klassik 2017: Cora Irsen

Frauenpower

Erst ihre Biografie, dann die Einspielung des gesamten Klavierwerks: Pianistin Cora Irsen ist begeistert von der französischen Komponistin Marie Jaëll

vonInsa Axmann,

Musikvermittlung ist in aller Munde. Von ihr wird durch ausgebildete Profis mittlerweile reichlich Gebrauch gemacht, ob an großen Konzert- und Opernhäusern oder auch von kleinen Veranstaltern. Zu schade, dass aber immer noch zu wenige Musiker es selbst wagen, sich im Laufe ihres Konzertabends Gehör zu verschaffen, um etwas über die von ihnen interpretierten Stücke zu erzählen. Stattdessen spielen die meisten Künstler ihre Konzerte – von quasi übermenschlicher Aura umgeben -, und schweben nach gespieltem Konzert und empfangenem Applaus lautlos von der Bühne. Nicht so Cora Irsen.

Die 1974 in Troisdorf geborene Rheinländerin versteht sich über ihre Tätigkeit als Konzertpianistin hinaus als Vermittlerin von Musik und allem, was damit zusammenhängt und wissenswert erscheint. In ihrer Reihe „Konzerte in Wort & Musik“, die die in Weimar lebende Musikerin im Jahr 2010 ins Leben rief, spielt sie nicht nur Stücke großer Meister, sondern widmet sich mit Lesungen, Erzählungen sowie erläuternden Werkinterpretationen intensiv verschiedenen Musikerpersönlichkeiten. Dadurch entsteht ein umfassendes Bild, das den Konzertgenuss um einiges vertieft und dem Publikum einen spannenden Einblick in Musik, Epoche und Komponistenleben gibt. Ein durchaus nachzuahmendes Konzept!

Weltweit unterwegs

Cora Irsen stammt aus einer Musikerfamilie und bekam im Alter von vier Jahren ihren ersten Klavierunterricht. Bereits mit 15 Jahren wurde sie Jungstudentin an der Musikhochschule Köln. Daraufhin folgten ein Studium am Salzburger Mozarteum und der Abschluss ihrer Solistenausbildung mit Auszeichnung an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

Besonders Liszt hat es der 43-Jährigen dann auch seit über 20 Jahren angetan: Ihre kongeniale Interpretation zeichnet sich durch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen sowie Nähe am Notentext aus und brachte Cora Irsen schließlich den begehrten ersten Platz des Internationalen Franz Liszt Preises in Weimar ein. Ihre Konzerte als Solistin und Kammermusikpartnerin führen sie mittlerweile durch die ganze Welt, regelmäßig ist sie auf Tournee durch Japan unterwegs.

Cora Irsen und Marie Jaëll

Auch als Autorin hat Cora Irsen sich mittlerweile einen Namen gemacht: 2016 erschien ihre Biografie über die Komponistin, Pianistin und Klavierpädagogin Marie Jaëll, eine zu Lebzeiten bekannte Musikerpersönlichkeit, die über 70 Werke komponiert hat. Doch nicht nur das. Cora Irsen spielte Marie Jaëlls kompletten Werke für das Klassiklabel querstand in Kooperation mit dem WDR ein, Ende Oktober wird die CD-Edition mit dem ECHO Klassik 2017 in der Kategorie „Editorische Leistung“ ausgezeichnet.

„Der ECHO Preis ist für mich die größte Auszeichnung für meine jahrelange Beschäftigung mit dieser außergewöhnlichen, leidenschaftlichen Frau, Komponistin, Pianistin und Wissenschaftlerin. Vor allem aber freue ich mich, dass Marie Jaëll, die ich sehr verehre, eine Öffentlichkeit erhält, die ihrer künstlerischen Arbeit gerecht wird. Gleichzeitig steht diese Auszeichnung für viele Frauen, deren künstlerisches Schaffen in der damaligen Zeit nicht ausreichend gewürdigt wurde. Ich bin zutiefst gerührt.“ Glücklich und gerührt – das darf Cora Irsen auch sein, wenn sie am 29. Oktober den Preis im Rahmen der großen ECHO Klassik Gala in der Hamburger Elbphilharmonie entgegen nimmt.

Cora Irsen spielt Marie Jaëll:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Auch interessant

Rezensionen

Anzeige

Video der Woche

Zwei Geigen, ein Cello, ein Klavier – und ein Übermaß an kreativer Energie

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Mit ihrem neuen Programm „heimat“ feiern Salut Salon das Finale einer Konzert-Trilogie: Auf „Liebe“ und „Träume“ folgt das nächste große, fast allumfassende Thema. Denn: Was genau ist das eigentlich, Heimat? Ist es ein Ort? Tradition? Ein Gefühl? Sind es die Menschen, die einen umgeben? Oder vielleicht Worte, Sprachen, Klänge? Mit der traumwandlerischen Selbstverständlichkeit, mit der die vier Musikerinnen Stücke aus allen Winkeln der Welt in diesen wunderbaren Konzert-Abend verwandeln, geben sie auch gleich ihre ganz eigene Antwort: Salut Salon sind in der Welt zu Hause – und ihre Heimat ist die Musik.

Anzeige

Audio der Woche

Sex, Macht und Spektakel: Die Krönung der Poppea

Intendant Karsten Wiegand inszeniert Monteverdis Barockoper am Staatstheater Darmstadt

Newsletter

Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach: frische Klassik!