Wenn Igor Levit und Markus Becker gemeinsam auf die Bühne treten, ist hochklassige Klaviermusik mit dem besonderen Etwas zu erwarten. Beide erlernten das Handwerk des Konzertpianisten bei Karlheinz Kämmerling in Hannover, beide bewiesen schon früh in ihren Karrieren, dass sie sich vor hochkomplexen Werken nicht scheuen, sondern diese mit tiefgehendem strukturellem Verständnis und mit Mehrwert für den Zuhörer darstellen können. So leistete Becker Ende der Neunzigerjahre Pionierarbeit mit der ersten Gesamteinspielung von Max Regers Klaviermusik, und Igor Levit machte mit Ronald Stevensons „Passacaglia über D-S-C-H“ und Frederic Rzewskis Variationen über „The People United Will Never Be Defeated“ von sich reden. Darüber hinaus eint beide ihre Liebe zu Bach und dessen „Goldberg-Variationen“. „Mir ist unbegreiflich, wie man derart virtuos Kanons schreiben kann, die auch noch jeder ein unverwechselbares Gesicht haben“, schwärmt Becker.

Beim Klavier-Festival Ruhr präsentieren die beiden Ausnahmepianisten diesen Gipfel der kontrapunktischen Kunst in einer selten gespielten Fassung für zwei Klaviere von Josef Rheinberger und Max Reger. Anfang der 1880er-Jahre vertrat Rheinberger noch die Ansicht, dass die für ein zweimanualiges Cembalo geschriebenen „Goldberg-Variationen“ nicht auf einem herkömmlichen Flügel gespielt werden könnten. Seine Übertragung sollte demnach „dazu dienen, Musiker und Musikfreunde mit diesem Schatze der Hausmusik bekannt und vertraut zu machen“. Briefen zufolge wurden so Johannes Brahms und Hans von Bülow auf das Bach-Werk aufmerksam. Dreißig Jahre später retuschierte Reger jene Übertragung und fügte Anweisungen für die praktische Ausführung hinzu.






