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Porträt Bernarda Fink

Globalisierte Eleganz

Sie spricht Deutsch, Englisch, Spanisch wie auch Slowenisch und wuchs in zwei Welten auf – heute ist die Mezzosopranistin Bernarda Fink überall dort zuhause, wo Musik ist

vonTeresa Pieschacón Raphael,

Sie sei die „Personifizierung eines globalen Kunstverständnisses“, betonte der frühere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel 2006, als er der Mezzosopranistin Bernarda Fink das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst verlieh. Leichter gesagt als empfunden, mag sich die Künstlerin in diesem Moment gedacht haben, schließlich wuchs sie mitten in Buenos Aires auf, als Kind slowenischer Emigranten, die vor dem kommunistischen Terrorregime ihrer Heimat geflohen waren. Als Kind habe sie deshalb „in zwei Welten gleichzeitig gelebt“ und auf „zwei Parketten“ getanzt. „Zu Hause, in meiner achtköpfigen Familie, habe ich in Klein-Slowenien gelebt.“ In der Schule aber war sie umgeben von Argentiniern und der spanischen Sprache –  weshalb sie sich nicht selten fragte: „Was bist du jetzt, Fisch – oder Vogel?“ Eines aber wusste und weiß die Weltbürgerin gewiss: „Meine Muttersprache ist Slowenisch. Definitiv.“

Fernab der Heimat gab ihr Musik die kulturelle Identität

 

Wie einfach dagegen das Kompliment, das ihr René Jacobs, einst Countertenor und bis heute ihr Mentor, machte: Sie sei „die derzeit am schönsten klingende Mezzosopranistin“. Darüber freut sich Bernarda Fink besonders, schließlich war es die Musik, die ihr eine kulturelle Identität gab. „Drei Schwestern meines Vaters, die mit nach Argentinien geflüchtet waren, bildeten ein Gesangstrio, das zuvor im slowenischen Radio eine wöchentliche Show hatte. Sie traten auch in Argentinien auf.“ Zutiefst gerührt habe sie ihr Vater, vormals ein studierter Jurist, der in Argentinien Arbeiten aller Art annehmen musste, um seine achtköpfige Familie durchzubringen. „Er sang vor allem Schubert und Schumann; begleitet von meinem Onkel, der Pianist und Komponist war. Die Musik: ihre Schönheit berührte mich sehr.“ 

 

Der lange Weg zum Glück – eine Berufswahl auf Umwegen

 

Heute ist sie es, die mit ihren exquisiten Liedinterpretationen, ihrem kultivierten und edlen Gesang den Hörer ins Mark trifft. Eine Künstlerin, der die große dramatische Entfaltung im gleißenden Rampenlicht der Oper stets suspekt blieb, deren untrüglicher Geschmack jedem noch so sentimentalen Stück eine aristokratische Würde verleihen kann. „She never sings louder than lovely”, brachte es ein englischer Kritiker auf den Punkt. „Die eleganteste Stimme der Opernwelt“, ein anderer. „Weniger ist mehr“, sagt sie selbst, die sich langsam und stetig ihren Platz als Stern am Sängerhimmel erarbeitet hat.

 

Zunächst studierte sie vier Jahre Erziehungswissenschaften: „Meine Eltern fanden den Sängerberuf zu riskant und vielleicht nicht respektabel genug“, erinnert sie sich. Bald aber stellte sie fest, dass sie nicht andere erziehen konnte, solange sie selbst das Gefühl hatte, noch nicht „angekommen“ zu sein. „Es war das Singen, was mich glücklich machte.“ Zwei Mozartarien reichten, um die Aufnahmeprüfung am Konservatorium in Buenos Aires zu bestehen, ein Preis 1985, um ernsthaft die Karriere als Sängerin anzupeilen. Zunächst glaubte sie, ein Sopran zu sein: „Drei Jahre schrecklicher Frustration“ folgten, bis sie ihren Stimm-Ort erkannte.

Unerschöpfliche Produktivität: viele Einspielungen und Auszeichnungen

Sie zog nach Genf, wo sie ihren Ehemann, einen österreichischen Diplomaten, der zur slowenischen Minderheit Österreichs gehört, kennenlernte: Nach sechs Jahren in Prag lebt sie heute in Wien. Derweil etablierte sie sich international auf vorderstem Parkett, im Opernfach wie im Klavier- und Orchesterlied. Mit René Jacobs eignete sie sich die Prinzipien historischer Aufführungspraxis an und verfeinerte ihre musikalische Farbpalette. Schier unerschöpflich produktiv war sie in den letzten Jahren, eine CD nach der anderen erschien: Das Repertoire reichte von Monteverdi und Bach über Mozart, Schubert und Mahler bis hin zu Berlioz und argentinischer Folklore. Es folgten Auszeichnungen wie der begehrte Grammy Award, der Diapason d’Or, und der Gramophone Award. 

 

Manchmal wird Bernarda Fink auf Bühnen gebeten, die wenig mit Musik zu tun haben, wie 2008 zur Salzburger Podiumsdiskussion Trilog. Da saß sie neben einer einstigen ägyptischen First Lady, einer palästinensischen Politikerin, Bianca Jagger, sowie einem russischen Popstar und sollte mit ihnen die Frage erörtern, ob die Welt eine gemeinsame Sprache habe. Bernarda Finks Antwort, frei nach Haydn: die Musik sei eine Sprache, die jedermann verstehe.

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