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Pfingsten in der Dresdner Frauenkirche

Kantaten und Orgelmusik zum Hochfest

An den Pfingsttagen durchweht die schöpferische Kraft Johann Sebastian Bachs die Dresdner Frauenkirche.

vonChristian Schmidt,

Man muss schon sagen: Es grenzte durchaus an ein Wunder, als 2005 die Dresdner Frauenkirche, die seit dem Bombenhagel am 13. Februar 1945 als Mahnmal in Trümmern gelegen hatte, wieder geweiht werden konnte. Damit überwand sie 70 Jahre nach ihrer Zerstörung auch symbolisch den gerade in der „geschundenen Stadt“ immer wieder aufflammenden Opfermythos, der bis heute gelegentlich Gefahr läuft, Ursache und Wirkung des Weltkrieges im Angesicht der vorwurfsvoll in den Himmel ragenden Ruinen zu verwischen.

Freilich: Dass trotz fehlender innerstädtischer Gemeinde wieder kirchliches Leben einzog, ist vor allem dem stetigen Touristenstrom zu danken. Dass mit Matthias Grünert aber ein umtriebiger Kantor verpflichtet wurde, der in der Euphorie des Wiederaufbaus innerhalb kürzester Zeit nicht nur drei Stammensembles an seine Wirkungsstätte binden, sondern wenig später auch weit über die Grenzen des Elbtals hinaus bekannt machen konnte, war denn doch überraschend. Regelmäßig gibt Grünert aber auch Orgelkonzerte, nicht erst seitdem Hauptorganist Samuel Kummer im Unfrieden mit der Trägerstiftung und nicht ohne unschönen Rechtsstreit vom Spieltisch verbannt wurde.

Auch der Sonnabend vor Pfingsten wartet mit lohnenswertem Programm auf

Rund um die Feier der heiligen Dreieinigkeit mag – im Unterschied zu Weihnachten und Ostern – die Konjunktur der Kirchenmusik sonst eher gemäßigt wirken. Doch Pfingsten zieht viele Touristen in die Dresdner Altstadt, und Matthias Grünert kann sehr viele von ihnen mit seinen Ensembles beglücken. Am Vorabend der beiden Feiertage leitet er Mendelssohns „Paulus“ mit beiden Chören und dem Orchester des thüringischen Theaters Altenburg-Gera, wo das gigantische Oratorium schon vorher als Gastspiel im Sinfoniekonzert erklingt. Am Sonntag gibt es dann standesgemäß Bachkantaten zur Pfingstzeit, bevor sich Grünert am freien Montag ganz allein mit Bachs Orgelmusik an das Instrument der Firma Kern setzt.

Wobei man sich fragt: Wann übt der Mann das alles? Vielleicht liegt das Geheimnis in der Entspannung: Denn nach seinen Konzerten begibt sich der Kantor regelmäßig zum „Künstlergespräch“ mit dem Publikum in den nahen bayerischen Biergarten und verbindet beim Fassbieranstich das Angenehme mit dem Nützlichen.

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