Porträt Lena Neudauer

Sie betört mit Können und Natürlichkeit

Bodenhaftung mit Rückgrat: Die Münchner Geigerin Lena Neudauer setzt auf stetige Entwicklung anstelle schneller Karrieresprünge.

© Marco Borggreve

Lena Neudauer

Lena Neudauer

Ihr Ausspruch ist zwar schon älter, die Meinung aber so aktuell wie eh und je. „Ich sehe Musik nicht als Ware“, betont Violinistin Lena Neudauer 2016 beim Klassik-Treff „Zum Tee mit Sabine“ des Theaterforum Gauting und verweist Oberflächlichkeiten wie Smalltalk, affektiertes Showgehabe und ein PR-taugliches „Strahlelächeln“ auf die hinteren Plätze. Nein, was die 1984 in München geborene Musikerin maßgeblich ausmacht, ist kein auf Hochglanz poliertes Image, kein Bombast und auch nicht ihr Lebenslauf, der zugegebenermaßen beeindruckt.

Mit zarten drei Jahren fängt sie an Geige zu spielen. Bereits als Teenager gewinnt sie den renommierten Augsburger Leopold-Mozart-Wettbewerb mitsamt Sonderpreisen, aber entscheidet sich selbstbewusst gegen eine frühe Starkarriere mit „Wunderkind“-Etikett. „Ich wollte nicht mit 15 in Hotels leben und ständig auf der Bühne sein“, sind die Beweggründe auf ihrer Homepage nachzulesen. 2002 kommt sie in die Hochbegabtenförderung der Konzertgesellschaft München. 2010 wird sie als Professorin berufen – erst in Saarbrücken, einige Jahre später auch in der bayrischen Landeshauptstadt. 2015 bis 2017 ist sie gemeinsam mit Julian Steckel, Nils Mönkemeyer und William Youn Artist in Residence des Philharmonischen Orchesters Heidelberg.

© Marco Borggreve

Lena Neudauer

Lena Neudauer

Authentisch feinfühlig: Lena Neudauer

Musik bedeutet ihr viel, das spürt man, wenn sich Lena Neudauer die Werke mit viel Präzision, Weitblick und einer beeindruckenden Technik zu eigen macht. Aber auch der Freundeskreis, die Familie mit Kindern, eben das gesamte alltägliche Leben kommen nicht zu kurz. Sie sorgen für den nötigen Ausgleich und eben jene Bodenhaftung, die wichtig ist, um nicht abzuheben. So gehen bei Neudauer ein beachtliches Können und eine bestechende Authentizität und Natürlichkeit Hand in Hand. Fans und Kritiker loben zudem ihre beseelte Musikalität, ihr Feingefühl und die Offenheit gegenüber verschiedenen Musikrichtungen und Epochen – von Alter Musik bis zeitgenössischer Avantgarde. Es heißt, sie habe in jungen Jahren sogar eine Zeitlang in einer Rockband gespielt. Was aus ihrer Liebe zu E-Gitarren geworden ist, weiß nur die Künstlerin selbst. Ihre großen Gefühle für die Klassik kann man zum Glück in Konzerten und auf diversen CDs deutlich hören.

Lena Neudauer hat mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern Mozarts Violinkonzerte eingespielt:

Termine

Dienstag, 02.03.2021 20:00 Uhr Kulturforum Franziskanerkloster Kempen

Lena Neudauer, Wen Xiao Zheng, Sebastian Klinger, Rick Stotijn, Silke Avenhaus

Vaughan Williams: Klavierquintett c-Moll, Schubert: Klavierquintett A-Dur D 667 „Forellenquintett“, Fünf Komponisten aus fünf Ländern: Forellenteiche

Dienstag, 13.04.2021 19:30 Uhr Meistersingerhalle Nürnberg

Lena Neudauer, Lauma Skride

Mozart: Violinsonate A-Dur KV 305, Beethoven: Violinsonate c-Moll op. 30/2, Schubert: Violinsonatine a-Moll D 385, Poulenc: Violinsonate

Freitag, 23.04.2021 17:00 Uhr Das Zentrum Bayreuth

Lena Neudauer, Wen Xiao Zheng, Danjulo Ishizaka, Rick Stotijn, Silke Avenhaus

Vaughan Williams: Klavierquintett c-Moll, Lazić/Cruixent/Räihälä/Resch/Schachtner: Forellenteiche – Fünf kurze Reflexionen über „Die Forelle“ von Schubert, Schubert: Klavierquintett A-Dur D 667 „Forellenquintett“

Freitag, 23.04.2021 20:00 Uhr Das Zentrum Bayreuth

Lena Neudauer, Wen Xiao Zheng, Danjulo Ishizaka, Rick Stotijn, Silke Avenhaus

Vaughan Williams: Klavierquintett c-Moll, Lazić/Cruixent/Räihälä/Resch/Schachtner: Forellenteiche – Fünf kurze Reflexionen über „Die Forelle“ von Schubert, Schubert: Klavierquintett A-Dur D 667 „Forellenquintett“

Rezensionen

CD-Rezension Lena Neudauer

Duftiger Charme

In seiner ersten, noch während des Studiums entstandenen Sonate, badet Maurice Ravel die Geigenstimme in rauschenden Klavierakkorden. In der zweiten setzt er, 30 Jahre später, eher auf karge Klänge und wagt einen Ausflug in den amerikanischen Jazz. Zwischen diesen stilistischen… weiter

Kommentare sind geschlossen.