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Porträt Peter Bruns

„Eine Gelegenheit, seine Kunstfertigkeit zu zeigen“

Peter Bruns entdeckt Bernhard Rombergs drittes Cellokonzert neu

vonKlemens Hippel,

Manchmal reicht eine einzige Anekdote, um den Ruf eines Musikers zu ruinieren. Bei Bernhard Heinrich Romberg, seinerzeit in ganz Europa gefeierter Cello-Virtuose, geht sie so: Beethoven habe ihm einst angeboten, ein Konzert zu schreiben, doch Romberg wollte es nicht, weil er es vorzog, seine eigene Musik zu spielen. Diese Geschichte ist zwar nirgends belegt – Ärger und Kopfschütteln aller Cello-Fans sind Romberg dennoch gewiss. Und wie zur Strafe wurden seine Cello-Konzerte, wenn überhaupt, seit vielen Jahren nur in den entstellenden Bearbeitungen aufgeführt, die Friedrich Grützmacher in den 1880er Jahren für Unterrichtszwecke erstellte.

Das dritte der insgesamt zehn Konzerte Rombergs hat nun der Cellist Peter Bruns neu ediert, gemeinsam mit dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach stellt er es am 29. September der Öffentlichkeit vor. „Mich hat interessiert, Rombergs klassischen Stil und die ersten Anfänge romantischer Virtuosenspielart zu studieren“, erzählt Bruns. „Romberg hat eine sehr eigene Behandlung des Cellos, und vor allem den zweiten Satz halte ich für sehr gelungen, eine große Cellokantilene, die aber mit vielen virtuosen Floskeln durchsetzt ist.“

Kein Wunder, „der erste Zweck, welchen man bei der Erfindung der Gattung im Auge hatte, war der, dem Virtuosen Gelegenheit zu geben, seine Kunstfertigkeit zu zeigen“, schreibt Romberg selbst in seiner 1839 vollendeten Cello-Schule. Und die Brillanz, die er selbst, stets auswendig, an den Tag legte, erstaunte seine Zeitgenossen immer wieder. E.T.A. Hofmann pries „die völlige Freyheit seines Spiels, die unbedingte Herrschaft über das Instrument, so dass es keinen Kampf mit den mechanischen Mitteln des Ausdrucks mehr gibt, sondern das Instrument zum unmittelbaren, zwanglosen Organ des Geistes wird“.

Geboren 1767 in Dinklage (Oldenburg), begann Romberg früh eine Karriere als reisender Virtuose, in Paris prophezeite man ihm Erfolge „wie die eines Haydn und Gluck“. 1790 wurde er für zwei Jahre Solo-Cellist im Bonner Orchester, wo er den jungen Beethoven kennen lernte. Dann ging es wieder auf Tourneen durch Europa, unterbrochen von diversen kürzeren Anstellungen: Von 1799 an unterrichtete Romberg fünf Jahre am Pariser Konservatorium, 1805 war er im Berliner Hoforchester beschäftigt, wo er 1815 noch einmal als zweiter Kapellmeister anheuerte und unter anderem die Uraufführung von E.T.A. Hofmanns Oper Undine leitete. Denn Romberg war nicht „nur“ Cello-Virtuose, sondern auch Kapellmeister und Komponist: „Seine zweite Sinfonie wurde in Leipzig unter Mendelssohn vierzehn Mal aufgeführt“, betont Peter Bruns, „das war ein wichtiges Stück der Zeit“.

Jetzt kann man Rombergs drittes Cellokonzert wieder genießen – und für seine Musik hoffen, was Ludwig van Beethoven 1822 seinem Kollegen in einem Brief schrieb: „Ich wünsche Dir zu dem vollen Tribut des Beifalls Deiner hohen Kunst auch die metallische Anerkennung, was jetzt selten der Fall ist“.

Album Cover für
Schumann & Volkmann: Cellokonzerte Peter Bruns (Violoncello) Kammerorchester Leipzig Jürgen Bruns (Leitung) hänssler Classic

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