Spielstätten-Porträt Gasteig

Summendes Kulturzentrum

Zur Zeit seiner Einweihung 1985 war er heftig umstritten.
Heute ist er das Zentrum kulturellen Lebens in München, mit 1800 Veranstaltungen und 1,8 Millionen Besuchern pro Jahr: der Gasteig.

© Matthias Schoenhofer/GMG

Gasteig München

München Ludwigsbrücke, auf der Fahrt stadtauswärts in Richtung Osten: da thront er über dem rechten Isarufer, dreißig imposante Meter in die Höhe, in rotem Ziegelstein, mit spiegelnden Glasflächen: der Münchner Gasteig, das meistbesuchte Kulturzentrum in Deutschland. An die 1,8 Millionen Besucher wandelten im letzten Jahr durch die Foyers des Hauses, über 5 000 pro Tag, was wohl nicht nur am direkten S-Bahn-Anschluss liegt. Ob Computer-Fan, Hausfrau, Musikliebhaber, Student, Professor oder Geschäftsmann, in Jeans, Anzug oder Abendkleid: Das Haus steht von acht Uhr morgens bis nahe Mitternacht für jedermann offen; für Konzerte, internationale Tagungen wie auch Messen.

Die Münchner Bücherschau hat sich hier etabliert wie auch das Münchner Filmfest, das jährlich Prominente aus Hollywood lockt. Dazu das Programm von über 1 800 Veranstaltungen pro Jahr in fünf verschieden großen Sälen: die Philharmonie, die Black Box, der Carl-Orff-Saal, der Kleine Konzertsaal und der Vortragsaal der Bibliothek. Insgesamt über 3 500 Plätze gilt es zu besetzen – eine logistische Meisterleistung. 300 Veranstaltungen davon allein finden in der Philharmonie statt; „600 Stunden Musik“, hat man hier stolz ausgerechnet. „Die Philharmonie ist sicher einer der Säle, deren Bedeutung und Atmosphäre durch die positive Energie des Publikums einmalig wird“, bringt es Cecilia Bartoli auf den Punkt. Ein Blick ins Monatsprogramm (Dezember) zeigt die Vielfalt. Große Kultur steht neben kleiner Kultur, Stars neben jenen, die es werden wollen, Super-Events neben Kammermusik: Alles findet hier einen Ort.

Lorin Maazel und Sarah Connor

© Matthias Schoenhofer/GMG

Gasteig München

Das Abonnementkonzert der Münchner Philharmoniker in der Philharmonie, die hier ihren Sitz haben, ebenso wie das Familienmusical im Carl-Orff-Saal oder das Jazz-Festival in der Black Box; Lorin Maazel wie auch Popstar Sarah Connor sowie die Studenten aus der Hochschule für Musik und Theater München. Besonders beliebt sind die Konzerte zur Mittags- und zur Ladenschlusszeit, so wie die Studiokonzerte im Kleinen Konzertsaal – alle bei freiem Eintritt. Zugang zu 1,5 Millionen Medien bietet die Münchner Stadtbibliothek, die ebenfalls im Komplex untergebracht ist und in ihrem Vortragsaal Vielseitiges zu bieten hat: das Programm reicht vom Kinderkino bis hin zum politischen Vortrag.

Als größte ihrer Art in Deutschland hat auch die Münchner Volkshochschule ihre Zentrale im Gasteig. Mit ihrem Bildungsprogramm trägt sie Angebote in Bereichen wie Weiterbildung und Fremdsprachen bei. „Vermutlich Deutschlands interessantester kultureller Supermarkt“, beschrieb die FAZ das Zentrum.

Das war nicht immer so: „Klotz am Berg“, „Musengefängnis“, „Philharmoniekarzer“ … Spottnamen gab es in München genug. Farbbeutel haben Münchner Demonstranten in der Zeit vor seiner feierlichen Eröffnung 1985 an die rote Klinkerfassade geklatscht, militante Sprüche skandiert. Und heute?

Der Gasteig summt

 

Das Kulturzentrum wurde ein Erfolg, und der zahlt sich aus: Die Gasteig München GmbH konnte ihren Umsatz 2012 um 8,9% steigern. Zur Freude ihrer langjährigen Geschäftsführerin Brigitte v. Welser und der ihrer 128 festangestellten Beschäftigten. Umfangreiche Bauarbeiten von 2013 taten dem Besucheransturm keinen Abbruch. Nur die Bienenstöcke, die seit 2011 im Zuge der Umwelt-Initiative „Deutschland summt“ den Sommer auf der begrünten Dachfläche des Hauses unter Aufsicht eines Imkers verbringen dürfen, mussten in diesem Jahr ausquartiert werden. Aber 2014 sollen sie wieder Leben auf das Dach des Gasteig bringen.

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