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Buch-Rezension Christoph Wagner-Trenkwitz

Wiener Philharmoniker für Einsteiger

Zum 175. Geburtstag erzählt Christoph Wagner-Trenkwitz kurzweilig sowie gut recherchiert von der Entstehung, Bedeutung und Besonderheit des Wiener Traditionsorchesters

vonJulia Hellmig,

Was wäre Wien ohne seine Wiener Philharmoniker? Das hat sich auch Christoph Wagner-Trenkwitz gefragt. Vergangenes Jahr feierte das Orchester seinen 175. Geburtstag und der Chefdramaturg der Volksoper Wien – dem Fernsehpublikum bestens bekannt als heiterer TV-Kommentator des alljährlichen Opernballs – antwortet darauf mit seinem Buch „Das Orchester, das niemals schläft“.

Christoph Wagner-Trenkwitz erzählt Geschichten und manch lustige Anekdote, was die Lektüre über weite Strecken herrlich kurzweilig macht und so ganz besonders für neue „Wiener“-Fans geeignet ist. Das umfangreiche Text- und Bildmaterial dafür stöberte er nicht nur im Archiv auf, sondern bekam es auch direkt von den Orchestermusikern.

Plaudereien aus dem Nähkästchen

In seinem Buch behandelt er aber nicht nur die Geschichte des Ensembles, sondern stellt sich auch die Frage, wie ein Musiker überhaupt Mitglied im Orchester wird oder was den besonderen Wiener Klang ausmacht und welche Rolle dabei eigentlich der Dirigent spielt. Dabei tritt stets die ein oder andere Plauderei aus dem Nähkästchen zutage: „Ausgezeichnet, ich habe so dirigiert, wie ihr gespielt habt …“, bestätigte einst Wilhelm Furtwängler, der als Zugabe gerne Strauss’ „Kaiserwalzer“ gab. Der Maestro wusste allerdings nicht, dass das Orchester eigenmächtig das Tempo angezogen hatte, um dem Stück diesmal ein wenig mehr Schwung zu verleihen.

Verbundenheit und Wertschätzung

Bei aller Heiterkeit lässt Christoph Wagner-Trenkwitz dabei auch nicht die düstere Geschichte des Orchesters während der Nazizeit außen vor – 1945 waren knapp 45 Prozent der Philharmoniker NSDAP-Mitglieder. Zwar existieren schon sehr gut recherchierte sowie umfangreiche Standardwerke zur Geschichte des Traditionsorchesters, wie „Demokratie der Könige“ von Clemens Hellsberg oder das Buch von Christian Merlin.

Doch Wagner-Trenkwitz punktet vor allem mit seiner engen Verbundenheit zu den Musikern und der hohen Wertschätzung für das Orchester, das niemals schläft: Bei den unzähligen Auslandsreisen, die das Ensemble bereits hinter sich hat, wird am Ende der Lektüre vor allem deutlich, welchen großen Einsatz seine Doppelfunktion im Operngraben sowie im Konzertsaal von allen Beteiligten abverlangt – das nächste Neujahrskonzert wird bestimmt in einem neuen Blickwinkel betrachtet.

Das Orchester, das niemals schläft – Die Wiener Philharmoniker
Christoph Wagner-Trenkwitz
Amalthea Verlag
2017

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