Kurioser Januskopf

Rezension Feininger Trio – Brahms & Zemlinsky

Kurioser Januskopf

Während das dritte Klaviertrio von Brahms etwas kalkuliert wirkt, legen die Herren vom Feininger Trio bei Zemlinsky innigste Leidenschaft und Inbrunst an den Tag.

Schon der Beginn kommt hier etwas betulich daher, ja onkelhaft. Das könnte mehr Schärfe und Direktheit vertragen. Sicherlich, im Gesamtklang ist dieser Brahms transparent, ausgewogen, deutlich konturiert und sorgsam aufgefächert, daran gibt es nichts zu deuteln. Aber im Verlauf der Spannungskurven scheint immer etwas zwischendurch zu implodieren, die Gefühlsausbrüche wirken allzu kalkuliert. Wilder und ungezügelter wäre schön. Auch wenn es das abgeklärte dritte Klaviertrio von Brahms ist, muss es durchaus nicht so akademisch zugehen. Wie ausgewechselt sind die Herren des Feininger Trios bei Zemlinsky: Hier regiert volle Leidenschaft, Inbrunst, hier wird es auch inniger, da ist alles im Fluss, es wird melodienselig geschwelgt, mit treibender Motorik gespielt. Was für ein kurioser Januskopf, dieses Album.

© Irène Zandel

Feininger Trio

Feininger Trio

Klaviertrios von Brahms & Zemlinsky

Feininger Trio
Avi

Auch interessant

TV-Tipp 3sat 17.7.: Happy Birthday – Riccardo Muti

Konzert mit Symbolkraft

Er wollte eigentlich nicht mehr an die Mailänder Scala zurückkehren. Jetzt leitet Riccardo Muti dort das Festkonzert zu Ehren seines 80. Geburtstags. weiter

OPERN-KRITIK: Hamburgische Staatsoper – molto agitato

Bunter Abend mit Gewalt

(Hamburg, 5.9.2020) Zur Spielzeit- und Wiedereröffnung nach der Pandemiepause dirigiert Kent Nagano seinen Kurt Weill an der Hamburgischen Staatsoper traumwandlerisch, Frank Castorf kann mit Musik nichts anfangen. weiter

Musikalische Spurensuche: Südwest

Wo Rhein und Wein so manchen Komponisten inspirierten

Auf einem Wanderweg kann man Johannes Brahms nachspüren – und natürlich erlesene Getränke kosten. weiter

Kommentare sind geschlossen.