Glückliche Ausgrabung

CD-Rezension Kent Nagano

Glückliche Ausgrabung

Spannende historische Randnotiz: Iberts und Honeggers vergessene Erfolgsoper von 1937

Die wiederentdeckte, musikalisch schwer einzuordnende, einzige Zusammenarbeit zweier wesentlicher Komponisten ausgerechnet an einem patriotischen Sujet – Napoleon II. im Exil – ist schon aufgrund der historischen Situation kurz vor dem zweiten Weltkrieg hoch spannend. Dazu lässt diese Musik immer wieder aufhorchen. Sei es mit der von ironisierenden Trompeten unterminierten langen Walzerfolge im dritten Akt, mit dem seltsam kreisenden Beginn des vierten Aktes oder dem unheimlich leuchtenden Chorsatz an dessen Ende. Die Produktion markiert den Beginn einer intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Label Decca, dem Orchester Symphonique de Montréal und ihrem langjährigen Chefdirigenten Kent Nagano, der mit Verve und Sensibilität dirigiert. Gesungen wird idiomatisch und auf gutem Niveau. Die Tremolo-Neigung der Sopranistin Anne-Catherine Gillet in der Titelrolle bleibt allerdings Geschmackssache.

Honegger/Ibert: L´Aiglon
Anne-Catherine Gillet & Hélène Guilmette (Sopran), Marie-Nicole Lemieux (Alt), Marc Barrard & Etienne Dupuis (Bariton), Philippe Sly (Bass-Bariton), Orchestre Symphonique de Montréal, Kent Nagano
Decca (2 CDs)

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