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Rezension Raphaël Pichon – J. S. Bach: Johannes-Passion

Erzählkraft

Raphaël Pichon und Pygmalion erkunden Bachs „Johannes-Passion“ und überzeugen mit seltener Narrativität und beeindruckender Vitalität.

vonChristoph Vratz,

Hier wird Großes verhandelt, Dramatisches. Oft hört man den Eingangschor von Bachs „Johannes-Passion“ verhalten-getragen, mit Fokus auf das kommende Leiden Jesu. Bei Raphaël Pichon und dem Ensemble Pygmalion geht es vom ersten Takt an anders zu. So aufgeladen, nervös, bang-ahnungsvoll hat man diesen Beginn wohl kaum je gehört. Dann folgt, geprägt von souveräner (Text-)Klarheit und Tongebung, der Einsatz des Evangelisten: Julian Prégardien erweist sich bis zum Schluss als eine Autorität durch Natürlichkeit. Die zweite größere Solorolle übernimmt, eher milde und balsamisch, dazu ebenfalls textprägnant Huw Montague Rendall als Jesus. Die Chöre sind bestens eingestellt und bilden das Gerüst dieser Aufnahme: Kommentatoren und unmittelbar Beteiligte des Geschehens, Beobachter und Akteure. Die Kreuzigungsszene etwa gerät ungemein plastisch. Auch das Orchester zeigt, wie sehr Pygmalion mit Bachs Musik vertraut ist. Man höre nur das Zusammenspiel der Bläser am Beginn der Arie „Von den Stricken“. Nicht eine unter vielen Aufnahmen, sondern eine in ihrer Vitalität beeindruckende.

J. S. Bach: Johannes-Passion BWV 245

Julian Prégardien (Evangelist), Huw Montague Rendall (Jesus), Ying Fang (Sopran), Lucile Richardot (Alt), Laurence Kilsby (Tenor), Christian Immler (Bass), Étienne Bazola (Bass), Pygmalion, Raphaël Pichon (Leitung)
Harmonia Mundi

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