Buchtipp: Eduard Mörike – Mozart auf der Reise nach Prag

Die Flüchtigkeit der Pomeranze

Zu Mozarts hundertstem Geburtstag widmete ihm der Schriftsteller Eduard Mörike sein Werk „Mozart auf der Reise nach Prag“.

© gemeinfrei

Wolfgang Amadeus Mozart

Eduard Mörike war ein Jahr zu früh dran: Der Schriftsteller nahm den bevorstehenden hundertsten Geburtstag von Mozart zum Anlass, um eine Geschichte über den Komponisten zu schreiben, die dann bereits 1855 erschien. Bei Mörike treten die neun Musen in Gestalt von neun Pomeranzen in Erscheinung, die an einem Bäumchen im Schlosspark des Grafen von Schinzberg hängen. Die über Generationen weitergereichte, zuletzt jedoch schmählich vernachlässigte Pflanze wurde einige Zeit vom Gärtner gehegt und gepflegt und soll nun Eugenie, der Nichte des Grafen, anlässlich ihrer Verlobung überreicht werden. Doch Mozart, der sich mit seiner Frau Konstanze auf dem Weg von Wien nach Prag befindet und auf dem Schloss Rast macht, pflückt gedankenverloren eine der Pomeranzen ab, schneidet sie auf und wird noch vor dem Verzehr selbiger vom Gärtner überrascht und gestellt

Ahnung von Mozarts baldigem Tod

Eingeschüchtert setzt Mozart einen Brief auf und lässt ihn der Gräfin zukommen. Eine Einladung ins Schloss folgt, und so beehren Wolfgang und Konstanze die festliche Gesellschaft. Rasch ist die Untat vergessen, und so spielt der gefeierte Maestro in der heiteren Runde aus seiner fast fertiggestellten Oper „Don Giovanni“ vor, deren Uraufführung in Prag bevorsteht (weshalb die Handlung um das Jahr 1787 anzusiedeln ist). Die muntere Runde ist begeistert, allein Eugenie hat, vereinnahmt von der Schönheit der Musik, eine Ahnung vom baldigen Tod Mozarts, jenes Mannes, der in ihrer Befürchtung „sich schnell und unaufhaltsam in seiner eigenen Glut verzehre, daß er nur eine flüchtige Erscheinung auf der Erde sein könne.“ Eben ganz so wie diese eine wunderschöne Pomeranze, die nur aufgrund eines gedankenverlorenen Menschen ohne böse Absicht vom Zweig gezupft wurde.

Buch-Empfehlung

Mozart auf der Reise nach Prag

Eduard MörikeIHofenberg, 2016

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