Buchtipp: Klaus Mann – Symphonie Pathétique

Verzweiflung eines Heimatlosen

Teil zehn unserer Literaturserie beschäftigt sich mit Klaus Manns Roman „Symphonie Pathétique“, der tiefe Einblicke in Tschaikowskys Gefühlswelt gibt.

© gemeinfrei

Peter Iljitsch Tschaikowsky, Gemälde von Nikolai Kuznetsov

Peter Iljitsch Tschaikowsky, Gemälde von Nikolai Kuznetsov

Tschaikowsky blieb zeitlebens ein Außenseiter, rast- und ruhelos durch die Metropolen Europas umherziehend und permanent geplagt von Selbstzweifeln. Hinzu kamen seine homosexuellen Neigungen, die er nicht offen ausleben konnte und mit einer kurz andauernden Scheinehe zu vertuschen versuchte. Parallelen finden sich in der Biografie Klaus Manns, der 1935 einen Roman über das Leben des Komponisten schrieb. Seit zwei Jahren lebte Mann da bereits im unfreiwilligen Exil in verschiedenen Ländern Europas, vertrieben von den Nationalsozialisten. In seinem Lebensbericht „Der Wendepunkt“ schrieb er über Tschaikowsky: „Ein Emigrant, ein Exilierter, nicht aus politischen Gründen, sondern weil er sich nirgends zu Hause fühlte, nirgends zu Hause war. Er litt überall.“

Symphonie Pathétique: Ein Tschaikowsky-Roman

Nicht nur diese Rastlosigkeit, auch die Liebe zum eigenen Geschlecht verband die beiden Künstler. Während der russische Komponist diese aber immer zu verheimlichen versuchte, konnte Mann sie offen ausleben. Vielleicht deswegen liegt ein Schwerpunkt in „Symphonie Pathétique. Ein Tschaikowsky-Roman“ auf diesem Thema. Denn die Geschichte erzählt von der innigen Zuneigung Tschaikowskys zu seinem Neffen Wladimir Dawydow. Der Drang, seine Gefühle unterdrücken zu müssen, treibt ihn in tiefste Verzweiflung bis zur Todessehnsucht.

Und so endet der Roman mit Spekulationen darüber, ob sich der Komponist seine Cholera-Erkrankung, die ihm 1893 mit nur 53 Jahren den Tod brachte, absichtlich zugezogen hat. Sein letztes vollendetes Werk war seine sechste Sinfonie, die den Beinamen „Pathétique“ trägt – und seinem Neffen Wladimir Dawydow gewidmet ist.

Obwohl das Buch ein Roman und keine Biografie ist, beschreibt Klaus Mann das Seelenleben des Komponisten sehr präzise und orientiert sich an den einzelnen Stationen seines Lebens. So zieht er den Leser mitten ins Geschehen, gibt tiefe Einblicke in die Gefühlswelt Tschaikowskys und schafft eine starke Nähe zur sympathisch gezeichneten Hauptfigur. Ein Buch, das sich mit seinem schlichten und doch schönen Sprachstil bestens für die Urlaubszeit eignet.

Buch-Empfehlung

Symphonie Pathétique
Klaus Mann
Rowohlt, 1981

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