concerti Bücherfrühling – Peer Meter & Rem Broo: Beethoven. Unsterbliches Genie

Eine vergnügliche Leichenfledderei

Die Graphic Novel „Beethoven“ lässt kein gutes Haar an der Wiener Gesellschaft – und reißt den weithin vergötterten Komponisten vom Sockel unberührbarer Künstlergrößen.

© Carlsen

Das Cover zu Peer Meters Graphic Novel „Beethoven“

Das Cover zu Peer Meters Graphic Novel „Beethoven“

Über Beethoven wird derzeit viel gesagt und geschrieben. Ein Comic über den großen Jubilar dürfte aber ein Unikum sein. Dabei ist diese Graphic Novel aus der Feder des deutschen Schriftstellers und Comicszenaristen Peer Meter und des rumänischen Zeichners Rem Broo viel mehr als eine bebilderte Kurzbiografie. Den Leser erwartet eine originell erzählte Odyssee durch die Stadt Wien des 19. Jahrhunderts mit stimmungsvollen Panoramen, perspektivisch wechselnden Straßenansichten und detailreichen Interieurs sowie einem ganzen Arsenal kauziger Figuren – zu denen auch der Komponist zählt.

Die Suche nach dem verehrten Meister wird für den Franzose Louis Lefebvre zu einer wahren Irrfahrt. Man schickt ihn von einem Ort zum anderen – damit knüpft die Handlung an den 67-fachen Wohnsitzwechsel Beethovens in Wien an. Als Lefebvre schließlich die letzte Wohnstätte des Komponisten erreicht und ihm seine Aufwartung machen möchte, wird dieser gerade in einem Sarg herausgetragen. Wieder lebendig wird der berühmte Musikus auf den Folgeseiten durch den Klatsch und Tratsch seiner Zeitgenossen und durch bildlich in Szene gesetzte Rückblendungen. So entsteht mit einer flexiblen Aufteilung der Panels, die zuweilen doppelte Seitengröße erreichen, eine bissige Satire auf die damalige Wiener Gesellschaft, die sich mehr an der Prominenz als an der Musik des rheinländischen Exilanten berauscht und immer auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist. Dieser Comic ist eine Augenweide und zugleich eine vergnügliche Leichenfledderei.

Buch-Tipp:

Peer Meter & Rem Broo: Beethoven. Unsterbliches Genie

Carlsen
144 Seiten
22 Euro

Auch interessant

concerti Bücherfrühling – Maya Lasker-Wallfisch: Briefe nach Breslau

Psychokrimi des Überlebenwollens

Maya Lasker-Wallfisch galt lange nur als die „Tochter der Cellistin von Auschwitz“, bis sie für das verschwiegene Trauma ihrer Mutter, das auch ihres wurde, die Kraft heilender Worte und ihre eigene Identität findet. weiter

concerti Bücherfrühling – Jan Caeyers: Beethoven. Der einsame Revolutionär

Als stünde er gleich neben uns

Die überarbeitete Neuauflage von Jan Caeyers Beethoven-Biografie entfaltet das lebendige Bild einer vielschichtigen Persönlichkeit. weiter

concerti Bücherfrühling – Rudolf Buchbinder: Der letzte Walzer

Anekdoten aus dem alten und neuen Wien

Variationsreich verbindet Rudolf Buchbinder Erzählungen über historische Musikergrößen mit Gedanken über seine eigene Arbeit an den „Diabelli-Variationen“. weiter

Kommentare sind geschlossen.