Festkonzert: 375 Jahre Westfälischer Frieden

Requiem für das Völkerrecht

Die Sinfonieorchester der Städte Münster und Osnabrück feiern 375 Jahre Westfälischen Frieden.

© Peter Lessmann

Dirigiert Ljatoschinskis Sinfonie „Peace will defeat War“: Münsters GMD Golo Berg

Dirigiert Ljatoschinskis Sinfonie „Peace will defeat War“: Münsters GMD Golo Berg

Fünf Jahre lang dauerten die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück, mit dem im Oktober 1648 der Dreißigjährige Krieg beendet wurde, der Millionen Menschen in Europa das Leben gekostet und weite Teile des Kontinents verwüstet hat. Dem Frieden von damals entspringt ein bis heute gültiges Prinzip des Völkerrechts: die Gleichberechtigung souveräner Staaten. Im 375. Jahr feiern beide Städte das Epochenereignis mit zahlreichen kulturellen Veranstaltungen. Ein musikalischer Höhepunkt sind zwei gemeinsame Festkonzerte des Osnabrücker Symphonieorchesters und des Sinfonieorchesters Münster unter der Leitung ihrer Generalmusikdirektoren Andreas Hotz und Golo Berg.

Mit der dritten Sinfonie des ukrainischen Komponisten Borys Ljatoschinski kommt dabei ein Werk zur Aufführung, das im Lichte des derzeitigen Konfliktgeschehens im Osten Europas kaum aktueller sein könnte. „Der Frieden wird den Krieg besiegen“, lautet der hoffnungsvolle Beiname des Stücks, das Ljatoschinski nach den Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg 1951 verfasst hat. Charakteristisch für die Musik des einstigen Schülers von Reinhold Glière und späteren Lehrers Valentin Silvestrovs ist der Kontrast zwischen harmonisch hochkomplexen und volksliedhaften Passagen. Nach lediglich einer öffentlichen Probe brandmarkte die stalinistische Obrigkeit die Sinfonie als „bourgeois“. Erst vier Jahre später durfte sie mit neuem Finale in der Sowjetunion aufgeführt werden. In Münster und Osnabrück erklingt sie in der Urfassung.

Auch ein Zeichen für das Überwinden religiöser Konflikte

Der Westfälische Friede ist auch ein Zeichen für das Überwinden religiöser Konflikte. Finden sich in der Musikgeschichte zahlreiche Vertonungen der lateinisch-katholischen Totenmesse, so hat der Protestant Johannes Brahms in seinem „Deutschen Requiem“ gleich ganz auf Liturgie verzichtet und stattdessen eine eigene Auswahl an Bibeltexten zusammengetragen. „Ich habe meine Trauermusik vollendet als Seligpreisung der Leidtragenden. Ich habe nun Trost gefunden“, notierte Brahms nach der Uraufführung im Leipziger Gewandhaus 1869.

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