Konzerthaus Berlin feiert 200-jähriges Bestehen

Im Gedenken an die Eröffnungsaufführung wird die Wolfsschlucht kräftig umgepflügt

Das Konzerthaus Berlin feiert sein 200-jähriges Bestehen mit drei Uraufführungen im Großen Saal.

© Felix Löchner/Sichtkreis

Lässt Besucher auch heute noch staunen: das 1821 von Karl Friedrich Schinkel erbaute Konzerthaus Berlin

Lässt Besucher auch heute noch staunen: das 1821 von Karl Friedrich Schinkel erbaute Konzerthaus Berlin

Man schrieb den 18. Juni 1821. Es war eine Uraufführung, die das neue Haus sofort ins Zentrum der Geschichte rückte. Die imposante Freitreppe hinauf, hinein in das zu Jahresbeginn fertiggestellte Schauspielhaus, staunten die Besucher nicht schlecht, welche Pracht der Architekt Karl Friedrich Schinkel am Berliner Gendarmenmarkt hingestellt hatte. Und dann die Musik! Die „erste deutsche Nationaloper“ begeisterte nicht nur das handverlesene Premierenpublikum. Ganz Berlin pfiff die Gassenhauer der Oper wie den „Jägerchor“ oder das Lied vom „Jungfernkranz“. Es war eine Sensation. Carl Maria von Weber konnte stolz sein. „Der Freischütz“ ist seitdem ein Hit auf den Bühnen der Welt.

Der Teufel wird zum allgegenwärtigen Prinzip

Wie feiert man am besten die Erinnerung an eine 200 Jahre alte Uraufführung? Mit neuen Uraufführungen! Der in Neubrandenburg geborene Komponist und Pianist Christopher Verworner hat die Wolfsschlucht kräftig umgepflügt und denkt das romantische Odeur von Webers völlig neu. „Der Grusel des Freischütz, also auch eine der hauptromantischen Positionen des Stückes, wird durch die Behauptung des Teufels als Hauptfigur unserer Version teils entmystifiziert“, erklärt er in Einklang mit Philip Seybold, der die Regie führt. „Im ursprünglichen Stück war der Teufel ein Mittel zum Zweck. Hier wird er zu einem allgegenwärtigen, durch Raum und Zeit wandelnden Prinzip umgedeutet. Die Wolfsschlucht wird in einen utopischen Gedankenraum verwandelt, hin zu einem Ort der Hoffnung mit potenziell unendlichen Möglichkeiten.“

Diese Idee spiegelt sich im Untertitel des neuen Werkes „Der Freischütz – die Echos Uto­pias“ wider. Einen tiefergelegten Orchestergraben gibt es folgerichtig nicht, alles spielt sich auf der Bühne ab. „Die ursprüngliche Form der klassischen Oper wird verlassen für eine Form eines anderen, zeitgenössischen Musiktheaters mit einem 22-köpfigen Kammerorchester. Dazu kommt eine Jazz-/Pop-Rhythmusgruppe, ergänzt durch Elektronika, eine Sängerin, einen Schauspieler und eine Sopranistin.“

Knapp zwei Wochen zuvor werden zwei weitere Werke im Großen Saal des Konzerthauses uraufgeführt: Urbanica von Christian Jost sowie Thorsten Enckes „Technología“, das als Auftragswerk zum diesjährigen Jubiläum entstand. Das Konzert, das szenetypisch erst um 21 Uhr beginnt, will Schlaglichter auf ein „vielfältiges, vernetztes Biotop zeitgenössischen Musikschaffens“ werfen, das die heutigen „Sounds of Berlin“ mitprägt. Berlin kann vielleicht nicht Flughafen, aber Uraufführung. Und das termingerecht!

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