Leidenschaft Instrumentalunterricht Teil 1

Gut hast du geübt!

Neun Instrumentallehrerinnen und -lehrer erzählen, was ihren Beruf zur Berufung macht. Im ersten Teil berichten Sven Kagelmann, Mareike Kaiser und Sandra Gamberger.

© JeKi Hamburg/Claudia Höhne

Früh übt sich, was ein Meister werden will

Früh übt sich, was ein Meister werden will

Jedes Musikinstrument ist anders und muss auch anders erlernt werden. Im ersten Teil unserer Serie „Leidenschaft Instrumentalunterricht“ stellen Ihnen Sven Kagelmann (Saxofon), Mareike Kaiser (Trompete) und Sandra Gamberger (Bratsche) den Weg zu ihrem Instrument vor – und berichten, welche Voraussetzungen ihre Schülerinnen und Schüler mitbringen müssen.

Saxofon: Freude an der Entwicklung der Schüler

Jugendmusikschule Hamburg

Ich unterrichte Saxofon im Pop-, Rock-, Klassik- und Jazz-Bereich, wobei Klassik eher weniger gefordert wird. Ich selber habe klassisches Saxofon studiert und versuche aber, die gesamte musikalische Bandbreite des Instruments zu bedienen. Weil mein Unterricht im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit einem Gymnasium stattfindet, besuchen meine jüngsten Schüler die fünfte Klasse. Ich habe aber auch schon Acht- oder Neunjährige unterrichtet. Wichtig ist, dass die bleibenden Schneidezähne da sind und die Hände groß genug sind. Es gibt aber inzwischen die Möglichkeit, mit sogenannten Saxonetten auch in jüngerem Alter anzufangen.


In den ersten Unterrichtsstunden beginne ich mit der Tonerzeugung und erkläre die Funktions­weise des Instruments. Anfänger klingen auf dem Instrument zunächst sehr laut. Für den Unterricht gibt es verschiedene Saxofonschulen, also Lehrwerke sowohl für Groß und Klein, zudem fördere ich das Spiel mit einem Playalong, einer Art Begleitaufnahme zum Mitspielen, was zu großen Erfolgserlebnissen führt.
Fürs ­Kernrepertoire interessieren sich die Schüler meist erst dann, wenn sie in einem ­Ensemble spielen.

Das Üben ist entscheidend, wobei der Einzelunterricht für die Feinjustierung sehr gut ist. Als Lehrer ist es elementar, Freude an der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu haben. Wer das nicht kann, nicht den Menschen hinter dem Schüler sieht und den Unterricht rein fachlich betrachtet, der könnte mit dem Beruf Schwierigkeiten haben.

Trompete: Musik mit Schmiss machen

Musikschule Ungefucht in Freiburg im Breisgau

© Mareike Kaiser

Mareike Kaiser (Trompete)
Mareike Kaiser (Trompete)

Neben der bekannten B- habe ich auch oft auch C- und D-Trompeten, Kornette oder Flügelhörner im Gepäck. Das Instrument selbst ist vielseitig und ermöglicht das Spielen von Stücken jeglichen Charakters und Stils, so dass man sich nicht sofort auf eine bestimmte Musikrichtung festlegen muss. Losgehen kann es, sobald alle Vorderzähne ausgebildet sind. Der Unterricht beginnt häufig an der klassischen B-Trompete, für manche jüngere Kinder eignet sich hingegen das Kornett besser, da hier die Ansprache, also das Erzeugen von Schwingungen mit den Lippen, die sich auf das Instrument übertragen, einfacher ist.

Am Anfang des Trompetenspiels muss man lernen, dass der eigene Körper ab und an Grenzen setzt: Wenn die Atmung nicht stimmt, kommt zum Beispiel kein schöner Ton heraus. Wer weit kommen will, benötigt Ausdauer und ein gewisses Maß an körperlicher Fitness. Als Richtschnur empfehle ich zwanzig Minuten Üben am Tag. Bei Grundschülern ist es wichtig, dass die Eltern zweimal in der Woche auch dabeisitzen. Das Kind kann ihnen ruhig erklären, was es gelernt hat.


Ich liebe die vielfältigen Begegnungen beim Unterrichten: Mein jüngster Schüler ist acht, mein ältester 79 Jahre alt. Wenn es uns gemeinsam gelingt, aus korrekt gespielten Tönen Musik mit Schmiss zu machen, bin ich als Lehrerin glücklich! Neben den Privatstunden bin ich an einer Musikschule angestellt, ich dirigiere einen Posaunenchor, übernehme klassische Projektarbeit und spiele seit einem Jahr in einer Ska-Punk-Band.

Bratsche: Auch mal mit Zeitgenössischem locken

festangestellte Bratschenlehrerin am Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden

© Kirsten Mann

Sandra Gamberger (Bratsche)
Sandra Gamberger (Bratsche)

Hauptsächlich unterrichte ich Bratsche und selten Geige im Einzel- und Gruppenunterricht. Mit Leidenschaft und kreativen Ideen, die ich auch in Lehrbüchern festgehalten habe, betreue ich auch die Streicher-Vorschul­gruppen am Konservatorium. Wie die Geige eignet sich die Bratsche für den Start in der Vor- oder Grundschule mit einer Mischung aus Instrumentalunterricht und musikalischer Früherziehung. In diesem Alter ist der Spaß in der Gruppe eine gute Motivation für den vermeintlich schweren Anfang.


Hier entscheidet sich ein Kind auch für Geige oder Bratsche: Liebt es tiefe Töne? Oder bewegt es sich gerne in klanglich luftigen Höhen? Im Einzel­unterricht reicht das Repertoire von Filmmusik über Folk bis hin zur Klassik. Um die Kinder nicht nur mit den üblichen Gassenhauern der Geigenliteratur zu konfrontieren, kann man auf spannende zeitgenössische Originalliteratur zurückgreifen und bekommt so einen ungezwungenen Zugang dazu.


Unter viermal Üben in der Woche kommt man nicht aus. Ein Streichinstrument kann man nicht nebenbei lernen, eine Pubertät hält aber auch die Bratsche aus. Ein Musikinstrument zu lernen, sollte nicht nur ein Topic auf der Liste von Freizeitaktivitäten sein, die man abhakt. Es muss Zeit für das gemeinsame Musizieren sein, jenseits von Konkurrenzdenken. Die Glücksmomente meiner Arbeit sind, wenn Kleinigkeiten meines Unterrichts Großes bewirken. Wenn das Kind leidenschaftlich bei der Sache bleibt, ist mir das mehr wert als Siege bei Wettbewerben.

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