Leidenschaft Instrumentalunterricht Teil 2

Gut hast du geübt!

Neun Instrumentallehrerinnen und -lehrer erzählen, was ihren Beruf zur Berufung macht. Im zweiten Teil berichten Philipp Broda, Yuko Yamashita und Thomas Papenfuß.

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Spielend lernen beim gemeinsamen Instrumentalunterricht

Spielend lernen beim gemeinsamen Instrumentalunterricht

Jedes Musikinstrument ist anders und muss auch anders erlernt werden. Im zweiten Teil unserer Serie „Leidenschaft Instrumentalunterricht“ stellen Ihnen Philipp Broda (Klarinette), Yuko Yamashita (Klavier) und Thomas Papenfuß (Gitarre) den Weg zu ihrem Instrument vor – und berichten, welche Voraussetzungen ihre Schülerinnen und Schüler mitbringen müssen.

Klarinette: Muskeltraining wie beim Sport

Musikschule Kiel

© Laura Brammsen

Philipp Broda (Klarinette)
Philipp Broda (Klarinette)

Der Unterricht beginnt meistens an der ­B-Klarinette, da die anderen Instrumente dieser Familie ein stark spezifisches Repertoire aufweisen. Ganz jungen Kindern empfehle ich als Vorstufe Nuvo-Klarinetten aus Kunststoff, die etwas leichter und kleiner sind. Darauf lassen sich einfache Stücke spielen. Grundsätzlich können Kinder im Grundschulalter mit der Klarinette beginnen, allerdings sollte man mit einem Lehrer ausprobieren, ob die Finger schon geschickt genug sind, um alle Tonlöcher zu treffen, und ob das eigene Atemvolumen für die Größe des Instruments ausreicht. Denn nicht alles, was ich an Luft durch das Rohrblatt puste, gelangt auch in die Klarinette. Diesen Blaswiderstand zu überwinden und einen sauberen Ton zu erzeugen, ist in den ersten Stunden eine Herausforderung. Auch das richtige Zusammensetzen des Instruments erfordert etwas Geschicklichkeit und Präzision.

Wichtig ist, dass man sich regelmäßig, am besten täglich, mit der Klarinette beschäftigt. Wie im Sport müssen bestimmte Muskeln trainiert und die abstrakte Verbindung zwischen den Noten auf dem Papier und den richtigen Griffen erst verinnerlicht werden.

Beim Unterrichten schätze ich die abwechslungsreichen Begegnungen, denn jeder Schüler hat unterschiedliche Ambitionen und seine eigenen Fragestellungen. Neben meiner Arbeit an der Musikschule Kiel unterrichte ich auch an Schulen, ich leite eine Jazzsession an und kombiniere dabei gerne akustische und elektronische Instrumente zu hybriden Formaten.

Klavier: Ein Ziel vor Augen haben

Konservatorium Georg Philipp Telemann, Magdeburg

© Privat

Yuko Yamashita (Klavier)
Yuko Yamashita (Klavier)

Konzentration – für fünf, zehn, idealerweise für fünfzehn Minuten. Ungefähr so groß sollte die Aufmerksamkeitsspanne schon sein, wenn ein Kind Klavier lernen möchte. Insofern können auch schon Fünfjährige mit dem Unterricht beginnen, wobei auch sie dann lernen müssen, Noten zu lesen. Mit den 88 Tasten des Klaviers kann ich die ganz jungen Schüler wunderbar über Klangvorstellungen ans Instrument und an die Musik heranführen: Vogelzwitschern, Unwetter und zahlreiche weitere Geräusche lassen sich da imitieren.

Je älter die Schüler sind, desto mehr gehe ich mit ihnen das Klavierspiel auch auf intellektueller Ebene an. Gerade mit Erwachsenen – nach oben hin gibt es bei mir eigentlich keine Altersgrenze – spreche ich sehr viel über die Hintergründe der jeweiligen Stücke, die wir gerade erarbeiten. Aber auch bei Jugendlichen ist es spannend, Verbindungen von der Klavierliteratur zu dem herzustellen, was sie gerade in der Schule über Geschichte, Literatur, Malerei und so weiter lernen.

Interesse ist neben der Konzentrationsfähigkeit also die zweite große Voraussetzung beim Klavierspiel. Auch eine gute Koordination ist sehr wichtig, wenn man Erfolg haben will als Schüler. Schon von Anfang an sollen sie lernen, mit beiden Händen zu spielen: Gegenbewegung, Parallelbewegung und so weiter. Zudem müssen Kinder – ähnlich wie beim Sport und natürlich auch in der Schule – ein Ziel vor Augen haben, wenn sie Fortschritte machen wollen. Deshalb sind auch Vorspiele und kleine Konzerte so wichtig.

Gitarre: Juwelen aus jeder Epoche

Musikschule Spandau

© Susanne Komischke

Thomas Papenfuß (Gitarre)
Thomas Papenfuß (Gitarre)

Als Gitarrenlehrer an der Musikschule Spandau bin ich verantwortlich für den Einzel- und Ensembleunterricht sowie für das Arbeiten in Schul-Kooperationen. Die Gitarre ist für jeden Erwachsenen und jedes Kind geeignet, es sollte aber schon eingeschult sein. Motorisch ist die Gitarre zwar genauso anspruchsvoll wie andere Instrumente, aber wer von Anfang an engagiert dabei ist, wird schnell mit kleinen Melodien und dem bezaubernden Klang der Gitarre belohnt. Üben muss man selbstverständlich, wobei ich eher kurze Einheiten empfehle. Für Anfänger im Grundschulalter sind zehn Minuten täglich entscheidend. Wenn die Kinder auf das Teenageralter zugehen, entwickeln sie oft Vorlieben für Rock- und Popmusik, andere bleiben begeistert beim klassischen Spiel, das ich anbahne.

Die Gitarre führt ein Nischendasein, weil sie kein Orchester­instrument ist. Ihr Repertoire hat aber Juwelen in jeder Epoche zu bieten. Sie ist eines der ältesten Instrumente überhaupt. In der Renaissance hatte sie ihre erste Blütezeit. Wir Gitarristen spielen auch in Transkriptionen Barockwerke. In der Klassik beschenkte uns ­Fernando Sor mit wunderbarer Literatur, Francisco Tarrega sowie der Instrumentenbauer Antonio Torres ebneten den Weg der Gitarre ins 20. Jahrhundert.

Meine Freude im Unterricht sind all die großen und kleinen Erfolgserlebnisse, wenn man gemeinsam Hindernisse überwindet und schöne Musik macht. Daher ist mir die Ensemble-Arbeit mit den Kindern besonders wichtig.

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